Analyse

Silicon Sowjets

Nils Markwardt veröffentlicht am 11 min

Google, Amazon und Co entdecken das Unternehmen Unsterblichkeit. So wie knapp 100 Jahre zuvor eine Gruppe sowjetischer Denker. Die Schriften dieser kommunistischen Philosophen und die Utopie des Silicon-Valley-Kapitalismus weisen erstaunliche Parallelen auf. Sie verraten viel über unsere Bereitschaft, Freiheit gegen Erlösung einzutauschen

 

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Essay
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Unternehmen Unsterblichkeit

Alexandre Lacroix

Seit mehr als 40 Jahren ist das Silicon Valley das kreative Zentrum unserer Welt. Derzeit wird auf einen neuen, vorgeblich epochalen Sprung in der Evolution unserer Art hingearbeitet. Im „Posthumanismus“ sollen Mensch und Maschine verschmelzen und so der älteste aller Menschheitsträume Wirklichkeit werden: ewiges Leben. Ortsbesuch bei den Architekten unserer „singulären“ Zukunft


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Unternehmen Unsterblichkeit

Alexandre Lacroix

Seit mehr als 40 Jahren ist das Silicon Valley das kreative Zentrum unserer Welt. Derzeit wird auf einen neuen, vorgeblich epochalen Sprung in der Evolution unserer Art hingearbeitet. Im „Posthumanismus“ sollen Mensch und Maschine verschmelzen und so der älteste aller Menschheitsträume Wirklichkeit werden: ewiges Leben. Ortsbesuch bei den Architekten unserer „singulären“ Zukunft.

Unternehmen Unsterblichkeit

Gespräch
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Imre Kertész: "Denken ist eine Kunst, die den Menschen übersteigt"

Alexandre Lacroix

Die Redaktion des Philosophie Magazin trauert um Imre Kertész. In Gedenken an den ungarischen Schriftsteller veröffentlichen wir ein Interview mit ihm aus dem Jahr 2013.

Nietzsche, Wittgenstein, Camus – es war die Philosophie, die Imre Kertész den Weg zur Literatur wies. Der ungarische Nobelpreisträger blickte in seinem, wie er selbst vermutete, „letzten Interview“ zurück auf ein Leben, das sich weder durch Konzentrationslager noch die kommunistische Zensur zum Schweigen verdammen ließ.

„Wissen Sie, ich habe viel über Ihre Fragen nachgedacht“, sagte Imre Kertész gleich zu Beginn, als er uns in seiner Wohnung in Buda, einem Stadtteil von Budapest, empfing. „Mir liegt daran, mit Ihnen ein schönes Interview zu führen, weil es vermutlich mein letztes sein wird.“ Dieser testamentarische Satz könnte makaber wirken, aber im Gegenteil: Seiner kurzatmigen Stimme zum Trotz leuchtet es in seinen Augen lebhaft und verschmitzt. Seit gut einem Jahrzehnt kämpft Kertész mit der Parkinsonkrankheit, Ursache zahlloser Schmerzen und Schwierigkeiten, von denen seine veröffentlichten Tagebücher berichten. Diese Krankheit zwang ihn, 2012 offiziell das Schreiben aufzugeben, und lässt ihm täglich nur wenige kurze Momente der Ruhe.

Es ist schwer, nicht gerührt zu sein bei der Begegnung mit diesem so geprüften und zugleich so zäh durchhaltenden Menschen, der unentwegt über die Paradoxa des Daseins als „Überlebender“ nachgesonnen hat. Imre Kertész wurde 1929 geboren. 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert, dann nach Buchenwald gebracht, wo er 1945 die Befreiung des Lagers erlebte. Den wesentlichen Teil seines Lebens hat er daraufhin unter dem kommunistischen Regime in Ungarn verbracht. Kertész begann Mitte der fünfziger Jahre zu schreiben. Zugleich toleriert vom Regime und sorgsam ferngehalten von der Öffentlichkeit, veröffentlichte er in äußerst überschaubaren Auflagen und kühl aufgenommen von der offiziellen Kritik Meisterwerke wie „Roman eines Schicksallosen“ oder „Der Spurensucher“. Erst mit dem Zusammenbruch des Ostblocks wurden seine Werke in aller Welt übersetzt und fanden internationale Anerkennung, gekrönt vom Literaturnobelpreis im Jahr 2002.
Wenn es eine weniger bekannte Dimension seiner Existenz gibt, dann ist es das Verhältnis des Schriftstellers zur Philosophie. Aus Leidenschaft, doch auch, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, übersetzte Imre Kertész zahlreiche deutsche Philosophen vom Deutschen ins Ungarische, unter ihnen Friedrich Nietzsche und Ludwig Wittgenstein. Die Lektüre dieser Autoren sowie die von Albert Camus und Jean-Paul Sartre hat unentwegt sein Werk genährt. Vor allem aus dem Wunsch heraus, sich über seine – intensive und beständige – Beziehung zur Philosophie zu äußern, stimmte Kertész unserer Interviewanfrage zu.

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Rahel Jaeggi: „Im Kapitalismus sind die Krisen schon angelegt“

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Wir leben in einer Zeit, in der eine Krise die nächste zu jagen scheint: Egal ob es ums Klima, knappen Wohnraum oder um ein Gesundheitssystem geht, das in der Pandemie an seine Grenzen stößt. Rahel Jaeggi sieht die Ursprünge dieser Krisen in unserer kapitalistischen Lebensform. Sie fordert mehr Demokratie und erklärt, warum die Kritische Theorie keine Utopien entwirft

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Adrian Daub: „Im Silicon Valley gilt nur als Arbeit, was Plattformen schafft“

Nils Markwardt

Die kalifornische Tech-Branche gehört zu den einflussreichsten Industrien der Welt – und kultiviert eine ganz eigene Form der Ideologie. Der in Stanford lehrende Literaturwissenschaftler Adrian Daub hat diese in seinem gerade auf Deutsch erschienenen Buch Was das Valley denken nennt analysiert. Im Interview spricht er über kommerzaffine Hippies, gratismutige Radikalität und den heuchlerischen Kult des Scheiterns.

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