Der Gin-Trailer

Eine Rezension von Dominik Erhard, veröffentlicht am

Dieses Buch ist die ideale Weihnachtslektüre: Egal, wie chaotisch die eigene Familie auch sein mag, im Gegensatz zu Leslie Jamisons Romanfiguren wird einem beim Festessen alles wie pure Harmonie vorkommen. Von ihrer Großmutter erfährt Stella, dass es eine verschollene Tante namens Mathilda gibt, die sich einige Zeit als Prostituierte durchgeschlagen hatte und von einem Freier schwanger geworden war. Jetzt lebt sie in einem Trailer in Nevada und legt ihre Tage in Gin ein. Stella macht sich auf, um die Tante zu finden – und zu retten. Sie bei diesem Vorhaben zu begleiten, hat etwas von einem Unfall. Man möchte wegschauen. Aber die unfreiwilligen Exzesse und wiederkehrenden Hoffnungen auf einen alles verändernden Neuanfang sind so präzise und schonungslos geschildert, dass der Blick zur Seite kaum möglich ist. Ein Roman, der in aller Abgründigkeit aufzeigt, dass Familie nicht unbedingt dabei hilft, dem Imperativ der Moderne – „Werde du selbst!“ – Folge zu leisten.