Die drei Leben der Hannah Arendt

Eine Rezension von Thomas Linden, veröffentlicht am

Die Chancen, Philosophie schon in der Schule kennenzulernen, stehen heute nicht immer gut. Abhilfe schafft, zumindest bei einer der wichtigsten Denkerinnen des 20. Jahrhunderts, der amerikanische Cartoonist Ken Krimstein. Mit seiner Graphic Novel „Die drei Leben der Hannah Arendt“ hat er eine wundervolle Einführung in Arendts berühmtes „Denken ohne Geländer“ geschaffen. Der Band bietet genau das, was man sich als Teenager wünscht: über die Hintertreppe der Biografie in das geistige Universum einer großen Philosophin zu gelangen. Arendts kritisches Denken entwickelte sich aus der Erfahrung der Flucht vor den Nazis und der unglücklichen Liebe zu Martin Heidegger; das zeigt Krimstein in der knappen philosophischen Diktion seiner Texte. Und seine originelle Bildsprache demonstriert, wie sich aus Diffusem eine Klarheit ergibt, die sich auch wieder auflösen kann.