Die Welt in der Wunderkammer

Eine Rezension von Thomas Linden, veröffentlicht am

Eine Aufgabe der Philosophie bestand seit jeher darin, die Sümpfe des Aberglaubens trockenzulegen. Schon bevor Diderot mit seiner Enzyklopädie die Welt in Kategorien einteilte, entstanden im 15. Jahrhundert die Wunderkammern, die zunächst Magisches, Kurioses und Exotisches versammelten. Alexandre Galand und Delphine Jacquot zeigen in ihrem unerhört detailreichen Bilderbuch an vier Wunderkammern, wie sich der Blick auf die Welt veränderte. Wo zunächst Drachen gesammelt wurden, beginnt man bald Pflanzen, Maschinen und schließlich Erbgut in Genbanken zu erforschen. Mithilfe ausklappbarer Seiten kann man in den verschiedenen Kammern stöbern. Ein visuelles Meisterwerk, vollgepackt mit Wissen – das aber auch kritische Distanz ermöglicht.