Platon – Raus aus der Höhle!

Nummer Sonderausgabe 15 - 2020

Platon steht nicht nur am Anfang der europäischen Philosophie, er ist und bleibt auch einer ihrer anschaulichsten Denker. Ausdauernd inszeniert er in seinen Dialogen die Philosophie als Gespräch, das gegenseitiges Wohlwollen voraussetzt und in dem es keinesfalls um den argumentativen Sieg geht, sondern vielmehr um das gemeinsame Suchen nach Wahrheit.

Platons Themen haben auch nach mehr als 2000 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt: Die Frage nach dem guten Leben treibt ihn ebenso um wie die Gefahr des politischen Populismus. Und sein berühmtes Höhlengleichnis, in dem er die Anstrengung des Denkens mit dem Aufstieg aus einer Höhle vergleicht, in der man nur die Schatten der Dinge sieht, ist von bleibender Wichtigkeit, selbst dann, wenn man seine metaphysische Ideenlehre nicht teilt. Denn was Platon beim Aufstieg aus der Höhle auch beschreibt: Selbstständiges Denken ist mühsam – und riskant. Wer sich von gängigen Meinungen löst, muss mit Anfeindungen rechnen.

Die neue Sonderausgabe des Philosophie Magazins stellt Platons Philosophie für heute dar – mit zahlreichen Originaltexten und im Gespräch mit namhaften Denkern und Denkerinnen wie Alain BadiouDorothea FredeChristoph Horn und vielen mehr.

Sowie als besonderes Extra das erste Buch von Platons „Der Staat“ als Graphic Novel – oder vielleicht besser: als Graphic Dialogue, gezeichnet von Jean Harambat.

 


Themen der Sonderausgabe:


iguala
Foto: Astrid Verhoef – Inscapes – Triangle

Glücklich werden

Was hat Glück mit Gerechtigkeit zu tun – und was mit Tugend? Warum handeln Menschen überhaupt richtig – und was würden sie tun, wenn sie nicht zur Rechenschaft gezogen würden? Ist der Tod wirklich das Ende, oder müssen wir uns noch vor einem Gericht im Jenseits fürchten? Platons Ethik reicht von abstrakten Erwägungen bis zu ganz konkreten, lebensnahen Beobachtungen.

 


iguala
Foto: Astrid Verhoef – Inscapes – Look

Streiten

Die Sophisten, denen es nur um das schlagende Argument, aber nicht um die Wahrheit geht, sind Platons großes Feindbild. Gegen ihren instrumentellen Gebrauch der Vernunft setzt er das Ideal einer gemeinsamen, freundschaftlichen Suche nach Erkenntnis und Wahrheit. Ein philosophischer Gegensatz, der sich durch die Jahrhunderte zieht und der gerade heute aktueller denn je erscheint.

 



Foto: Astrid Verhoef – Inscapes – Sun

Wahrheit suchen

Platons Ideenlehre steht am Anfang der abendländischen Metaphysik und ist wegweisend für jedes idealistische Denken. Die Platoniker der Renaissance haben darauf zurückgegriffen, aber auch die deutschen Idealisten um Hegel und Schelling – und auch heute noch nennen sich Philosophen wie Alain Badiou Platoniker.

 



Foto: Astrid Verhoef – Inscapes – Rope

Lieben

Die Liebe des Platon ist – nun ja – platonisch. Mehr als um sinnliche Liebe geht es um die Liebe zu den Ideen. Trotzdem spielt das Begehren auch für Philosophen eine entscheidende Rolle: Wie käme man sonst zur Erkenntnis, wenn nicht über einen inneren Drang zur Wahrheit? Und was, wenn nicht ein pädagogischer Eros, prägt die intensive Beziehung zwischen Lehrer und Schüler?

 


kierkegaard
Foto: Astrid Verhoef – Inscapes – Sign

Herrschen

Idealerweise wären alle Politiker kompetent – und am besten Philosophen. Denn sollte etwa bloßer Machthunger besser zum Regieren befähigen als die innige Suche nach Wahrheit? Platons Vorstellung eines idealen Staates mit Philosophenkönigen ist gewiss nicht realistisch umsetzbar, aber seine Kritik an einer radikalen Demokratie und ihren populistischen Gefährdungen hat an Aktualität nichts eingebüßt.

 


Inhalt


  • Editorial
  • Denkerinnen und Denker
  • Literatur
  • Chronologie
    Geburt der europäischen
    Philosophie
  • Frühe Dialoge
    Mittlere Dialoge
    Späte Dialoge
  • Ein Sohn aus gutem Hause
    Octave Larmagnac-Matheron
  • Das Höhlengleichnis
    Hinauf ans Licht,
    zu den Ideen!
  • Ein verführerischer Denker
    Gespräch mit
    Dorothea Frede

GLÜCKLICH WERDEN /

  • Glück ist mehr als nur Lust Gespräch mit Monique Canto-Sperber
  • PLATON
    Soll man seinem
    Begehren folgen?
  • PLATON
    Warum gerecht sein?
  • PLATON
    Muss man Angst
    vor dem Sterben haben?
  • Vor dem Totengericht
    Samuel Lacroix
  • Die Taube im luftleeren Raum
    Kant und Platon
    Octave Larmagnac-Matheron

STREITEN /

  • Sokrates gegen die Sophisten
    Martin Legros
  • PLATON
    Die drei Teile der Seele
  • PLATON
    Sich selbst kennen
  • PLATON / FOUCAULT
    Die Sorge um die Seele
  • Meister der Manipulation
    Ollivier Pourriol
  • Gegen das Sein,
    für das Werden
    Nietzsche und Platon
    Naomi Hytte

WAHRHEIT SUCHEN /

  • Leben unter dem Leitstern
    der Ideen
    Gespräch mit Alain Badiou
  • PLATON
    Was ist eine Idee?
  • PLATON
    Alles schon gesehen
  • PLATON
    Die Welt als Bild
  • Gelebte Lüge
    Ollivier Pourriol
  • Gipfeltreffen
    Aristoteles und Platon
    Sven Ortoli

LIEBEN /

  • Rationale Leidenschaften
    Gespräch mit Dimitri El Murr
  • PLATON
    Was uns die Schönheit lehrt
  • Füreinander bestimmt
    Octave Larmagnac-Matheron
  • Die Beseeltheit der Dinge
    Weil und Platon
    Octave Larmagnac-Matheron

HERRSCHEN /

  • Diktatur der Experten?
    Gespräch mit Christoph Horn
  • PLATON
    Philosophen an die Macht?
  • PLATON
    Die Wächter*innen
  • Erfindung von Atlantis
    Octave Larmagnac-Matheron
  • Die Gefahr des Totalitarismus
    Popper und Platon
    Octave Larmagnac-Matheron
  • Dunkel und warm
    Laurence Devillairs
  • Graphic Dialogue.
    Der Staat. Erstes Buch
    Jean Harambat