Akt / in actu

Der Ausdruck „in actu“ wird von Aristoteles verwendet, um das, was wirklich existiert, von dem zu unterscheiden, was nur virtuell, als Möglichkeit („in potentia“), angelegt ist. Das Samenkorn oder das Kind sind nur die Potenz, die Vorstufe von dem, was die Pflanze und der Erwachsene als vollendete Wesen „in actu“ sind. Was „in actu“ ist, bezeichnet also einerseits das, was noch dabei ist, sich zu vollenden (energeia: lebendige Wirksamkeit, Tatkraft, Wirklichkeit), und andererseits das, was bereits ganz vollendet ist (entelecheia: sein Ziel in sich selbst haben, Vollendung). Die beiden Bedeutungen konvergieren und werden von ihrer lateinischen Übersetzung erfasst: actus, was sowohl Handlung als auch Verwirklichung bedeutet. In diesem Sinne ist die Pflanze die Verwirklichung des Samenkorns und der erwachsene Mensch die des Kindes. Die einzige Ausnahme stellt für Aristoteles Gott dar. Denn dieser ist per definitionem vollkommen und niemals in einem Entwicklungszustand der Potenz. Seine Vollkommenheit macht ihn zu einem „reinen Akt“ (actus purus). Entitäten, die in der Phase der Verwirklichung sind, wird ein höherer Grad an Vollkommenheit zugeschrieben als denen, die sich noch in Potenz befinden, also bloß noch nicht realisierte Möglichkeit sind. So Aristoteles: „Denn etwas, das der Wirklichkeit nach ist, ist in vollkommenerem Sinne es selbst, als was nur der Möglichkeit nach.“ (Physik II). In dieser Phase zu existieren, bedeutet also, ein Individuum zu sein, das seinen inneren Zweck realisiert.