Bewusstsein

bezeichnet ursprünglich ein geteiltes Wissen (lat. cum: mit, scire: wissen): Es ist ein Wissen, das denjenigen begleitet, der denkt, und nicht auf bloße Wahrnehmung reduziert ist, weshalb es manchmal auch als „Apperzeption“ bezeichnet wird. Man unterscheidet das spontane oder unmittelbare Bewusstsein, das sich der Außenwelt zuwendet, und das reflektierte Bewusstsein, bei dem sich das Selbst auf sich selbst zurückzieht, sich selbst als Objekt nimmt und sich von seinen psychologischen Zuständen distanziert. Obwohl die Griechen die Frage des Bewusstseins nicht ignoriert haben (wie das Orakel von Delphi, das uns auffordert, uns selbst zu erkennen, bezeugt), geht man davon aus, dass die Philosophie des Bewusstseins (auch Philosophie des Subjekts genannt) im 17. Jahrhundert mit Descartes begründet wurde und den modernen Wendepunkt in der Geschichte der Philosophie markiert: Das Wissen wird sich fortan wieder auf den Menschen konzentrieren, auf das Studium seiner Denkfähigkeiten, auf die Suche nach seiner Identität, auf die Intentionalität. Aber das Bewusstsein hat auch einen moralischen Sinn: Es ist die Quelle des praktischen Urteils oder desjenigen, anhand dessen das Subjekt zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Wir sagen z.B., dass wir nach unserem Gewissen handeln oder dass wir nach einem begangenen Fehler ein schlechtes Gewissen haben. Die Philosophie fragt dann nach der Quelle dieses moralischen Gewissens, das das Herz (bei Rousseau) oder die Vernunft (bei Kant) sein kann. Schließlich sprechen wir in der Soziologie vom Kollektivbewusstsein, um das Bewusstsein einer gesellschaftlichen Gruppe zu bezeichnen, das über die Summe der individuellen Bewusstseine hinausgeht und eine neue geistige Einheit darstellt. Wird es verstanden als das von den Individuen nicht bemerkte Bewusstsein der Menge, lässt es sich dem geteilten Klassenbewusstsein entgegenstellen, das Marx erwecken will, um die Revolution zu initiieren.