Empirismus

Als Gegenposition zum Rationalismus vertritt der Empirismus die Vorstellung, dass alle menschlichen Erkenntnisse, Überzeugungen und Geschmacksurteile direkt oder indirekt aus internen oder externen Sinneserfahrungen stammen. Bei den Griechen bezeichnet der Begriff zunächst eine Spielart des Skeptizismus, die mit Pyrrhonismus in Verbindung gebracht wird. Im 19. Jahrhundert bekommt er dann eine neue Bedeutung und dient rückwirkend, in der Zeit vor Kant, dazu, die Geschichte der Philosophie mithilfe einer Unterscheidung zwischen den rationalistischen Philosophen (Descartes, Spinoza, Leibniz), allesamt Verfechter der Lehre von den angeborenen Ideen, und den Empiristen (Bacon, Locke, Berkeley, Hume, Condillac) zu interpretieren, für die jede Erkenntnis erst a posteriori möglich ist. Das Unterscheidungs- kriterium zwischen diesen beiden Strömungen betrifft vor allem das Problem der Beschaffenheit und Gewinnung der menschlichen Erkenntnis. Während die Rationalisten die Idee einer Allmacht von Vernunft und Logik verteidigen, leiten die Empiriker alles Wissen von unseren passiven sinnlichen Erfahrungen ab und begründen auf diese Weise auf Evidenz und Verifikation basierende Theorien. Mit seiner Kritik der reinen Vernunft (1787) modifiziert Kant jedoch die empiristische These, indem er ihr die aktive Komponente des menschlichen Verstandes hinzufügt, denn „wenn aber gleich alle unsere Erkenntnis mit der Erfahrung anhebt, so entspringt sie darum doch nicht eben alle aus der Erfahrung“. Im 20. Jahrhundert sieht der logische Empirismus (Russell, Wittgenstein) in der Vernunft ein Instrument, um aus den Beobachtungsdaten gut begründete Schlussfolgerungen ableiten zu können. Auch die Assoziationspsychologie – derzufolge man aus der Art und Weise, wie sich im Bewusstsein die elementaren Sinneseindrücke zusammensetzen, die gesamte psychische Persönlichkeit rekonstruieren kann – stützt sich auf den Empirismus.