Entfremdung

vom lateinischen alienus: der Fremde, abgeleitet von aliud: der Andere. Dieser Begriff hat ursprünglich eine rechtliche Bedeutung: veräußern bedeutet geben oder verkaufen. Rousseau verwendet ihn ambivalent, zunächst negativ, um die Knechtschaft anzuprangern, und dann positiv, um durch den gegenseitigen Austausch der Freiheiten den Eintritt in eine Gesellschaft zu signalisieren, die auf Rechtsstaatlichkeit und dem Gemeinwillen beruht. Eine eher philosophische Bedeutung erhält die Entfremdung bei Hegel, der damit die dialektische Bewegung des Bewusstseins als notwendigen „Übergang in das Entgegengesetzte“ beschreibt, indem er sich zunächst als einfache Sache ausgibt und sich dann zu einem Fremden von sich selbst macht. Der Begriff wird von Hegels Nachfolgern aufgegriffen: Feuerbach, der Denker des Atheismus, zeigt, wie der Mensch „sich entfremdet“, indem er seine eigenen Eigenschaften auf Gott überträgt. Marx sieht in der ökonomischen Entfremdung des Proletariers, dem das Klassenbewusstsein fehlt und der in seiner Arbeit ausgebeutet wird, eine Strategie der kapitalistischen Produktionsweise zur Erhaltung ihrer Macht. Der Ausdruck wird schließlich auch im psychiatrischen Kontext verwendet, um einen psychischen Zustand zu bezeichnen, der den Betroffenen isoliert, indem er ihn den Bezug zu sich selbst ebenso unmöglich macht wie den Kontakt mit anderen. Im Allgemeinen und trotz ihres dialektischen Gebrauchs ist die Entfremdung der Freiheit entgegengesetzt.