Existentialismus

Eine philosophische Strömung, die der gelebten Existenz den Vorrang einräumt und die es ablehnt, diese Erfahrung auf ein Konzept, eine Definition oder eine Essenz zu reduzieren. Der Existentialismus stellt so den Gegenpart zum Essentialismus dar. Generell unterscheidet man zwei Hauptrichtungen innerhalb dieser philosophischen Stömung: Auf der einen Seite den christlichen Existentialismus, dessen Hauptvertreter Pascal, Kierkegaard, Berdiaev, Jaspers, Gabriel Marcel und Tillich sind, und auf der anderen Seite den atheistischen Existentialismus, der vor allem von Philosophen der Phänomenologie, wie Heidegger, Sartre und Merleau-Ponty vertreten wird. Und auch Simone de Beauvoir gehört zu dieser Strömung, wenn sie sagt: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“ (Das andere Geschlecht). Der christliche Existentialismus, vor allem der von Pascal, sieht den Menschen als verloren im Universum und glaubt, dass er in seinem elenden Zustand nur in Gott einen Sinn finden kann, während sein ganzes Bemühen um Erkenntnis die tragische Dimension seiner Existenz ignoriert und den Denkenden selbst vergisst, indem er das Denken privilegiert. Entsprechende Vorwürfe richtet Kierkegaard gegen den Idealismus Hegels. Der atheistische Existentialismus hingegen behauptet, dass diese ursprüngliche, wenn auch bedenkliche, Vernachlässigung des Denkenden ebenso die menschliche Freiheit offenbart: da der Mensch nicht an einen absoluten Bezugspunkt geknüpft werden kann, liegt es an ihm, sich seine eigenen Werte zu schaffen, indem er die Welt, in die er „geworfen“ ist, interpretiert. Heute versteht man unter dem Existentialismus vor allem eine solche atheistische, anti-deterministische Auslegung: dass der Mensch grundsätzlich (und unentrinnbar) frei ist, und dass es seine – und nur seine – Aufgabe ist, durch die Gesamtheit seiner Entscheidungen und Handlungen seinem Leben, das a priori keinen Sinn hat, einen Sinn zu geben. Der Existentialismus gilt als eine der einflussreichsten philosophischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts, die u.a. auch in Form von Romanen und Dramen bekannt wurde (von Sartre, Gabriel Marcel, usw.). Ab den sechziger Jahren wurde er durch den Strukturalismus herausgefordert.