Freude

Vom lat. gaudium (Freude) oder laetitia (dem Sich-Vergnügen an einer Sache). Eine lebhafte Emotion, häufig begleitet von einem Gefühl der Erfüllung, das der Einzelne erlebt, wenn seine Wünsche und Bedürfnisse erfüllt werden. Die Freude unterscheidet sich also vom Vergnügen durch ihre Dauer und Intensität, aber auch vom Glück, das eher ein Ideal darstellt. In der Religion ist sie eine Geistesgabe, die zur Seligkeit führen kann. Bei Platon kann die Freude mit dem Enthusiasmus verglichen werden, den jemand empfindet, der so inspiriert ist wie etwa ein Dichter oder ein Liebender. In ihren Erscheinungsformen ist sie daher überschwänglich. Sie ist eine Art der Unvernunft, die Erasmus in der Renaissance anpreist (Lob der Torheit). Aber vor allem im 17. Jahrhundert wird die Freude von den rationalistischen Philosophen neu gedacht und bewertet: Descartes sieht in ihr eine der sechs ursprünglichen Leidenschaften und definiert sie als „eine angenehme Empfindung der Seele, deren Vergnügen darin besteht, dass sie sich eines Gutes erfreut, das ihr die die Eindrücke des Gehirns als ihr Eigen darstellen“ (Les Passions de l’âme). Ihre Verursachung macht sie jedoch ambivalent: Die Freude des Betrunkenen erweckt Misstrauen. Bei Spinoza, der sie stärker intellektualisiert versteht, zeugt die Freude von einer Zunahme der Erkenntnisfähigkeit. Sie ist „der Übergang des Menschen von einer geringeren zu einer größeren Vollkommenheit“. Für Nietzsche drückt sie den Willen zur Macht in Form einer freudigen Annahme des Lebens aus. Zahlreiche zeitgenössische französische Philosophen (vor allem Deleuze, Rosset, Misrahi, Comte-Sponville) schätzen die Freude, um die Tragik der Existenz zu mildern, obwohl sie zugleich die soziale Verpflichtung kritisieren, in einer Art „immerwährender Euphorie“ (Bruckner) leben zu müssen.