Hypothese

Zusammengesetzt aus dem griech. hypo (unter) und thesis (Behauptung, Stellung, Anordnung). Der Ausdruck bezeichnet eine Annahme, die hervorgebracht wird, ohne bereits Aussagen zu ihrem Wahrheitswert zu machen. Als Grundannahme oder vermutetes Prinzip ist die Hypothese das, womit die Vorstellungskraft die künftige Erkenntnis vorwegnimmt. Meistens dient sie als Basis für eine Beweisführung, die sie dann entweder widerlegt oder bestätigt. So vor allem in der Mathematik, wo die hypothetischen Grundlagen (Axiome, Postulate, Definitionen) Gegenstand einer speziellen Fachrichtung sind: der Axiomatik. Mithilfe der Hypothese lässt sich ein Ereignis aber auch nachträglich, also nachdem es bereits stattgefunden hat, erklären. Man spricht dann von einer erklärenden Hypothese, die sich meist auf die Untersuchung der Voraussetzungen stützt, die das Ereignis ermöglicht haben. In der Philosophie ist Platon der erste, der im Timaios eine hypothetisch-deduktive Methode verwendet, um die Entstehung der Welt auf der Grundlage eines theoretischen Models zu erklären, das es erlaubt, von Vernunftinhalten (dem Seienden) zum sinnlich Wahrnehmbaren (den Werdenden) zu gelangen, anstatt, wie Hesiod es in seinem Schöpfungsbericht in der Theogonie tut, von einer Entstehung der Götter auszugehen. In der Wissenschaftsphilosophie und insbesondere in der Physik schafft der Rückgriff auf Hypothesen zwei Lager, nämlich das von Denkern wie Descartes, der es für legitim hält, von einer vernunftgeleiteten „Fabel der Welt“ auszugehen, um ihre Gesetze zu erklären, und das der anderen, die möglichst vorurteilsfrei ihre Beobachtungen anstellen wollen und gegenüber diesen rationalen Grundannahmen misstrauisch sind. So wie Newton, der sagte: „Hypothesen erdenke ich nicht“.