Identität

Stammt vom lat. idem: „derselbe, dasselbe“ ab. Die Eigenschaft von jemand oder einer Sache, der oder die mit sich selbst übereinstimmt, bzw. der oder die nur eine einzige Realität verkörpert, egal auf wie viele verschiedene Weisen man sich ihm bzw. ihr nähert. Der Begriff taucht zuerst in der Logik auf: als Prinzip der Identität, was bedeutet, dass A = A, und zugleich die Grundlage jeder gültigen Beweisführung darstellt. In der Antike wurde das Identitätsproblem bereits vorweggenommen, mit dem von Plutarch geschilderten Problem des Schiffs von Theseus und der Frage, ob dieses Schiff, nachdem man auf seiner langen Fahrt seine sämtlichen Bestandteile austauschen musste, bei seiner Rückkehr in den Hafen noch dasselbe sei. Größere Bedeutung in der Philosophie erhält die Frage nach der subjektiven Identität aber erst im 17. Jahrhundert bei Locke, der die Identität ausgehend vom Bewusstsein und der Erinnerung begründet, und Leibniz, der sie hingegen auf dem Unbewussten gründet und zudem das  „Prinzip der Identität des Ununterscheidbaren“ formuliert, das besagt, dass Gott niemals zweimal dasselbe erschafft und alles Seiende sich also von anderem Seiendem unterscheidet, und zwar nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ. Demnach kann es keine zwei numerisch verschiedenen Dinge geben, die gleichzeitig in all ihren Eigenschaften übereinstimmen. Der Begriff der Identität findet sich in der Metaphysik wie auch in der Psychologie und ebenso in der Politik, wo man seit den demokratische Revolutionsbewegungen des 18. Jahrhunderts und der Entstehung der Nationalstaaten nach Antworten auf die Frage sucht, was die Identität eines Volkes ausmacht. Heutzutage erfährt das Problem eine Neuauflage in der Debatte zwischen Liberalisten und Kommunitaristen. Ricoeur verbindet diese unterschiedlichen Ansätze in seinem Konzept der „narrativen Identität“: diese erlaubt es dem Individuum, durch Selbsterzählung seine „idem-Identiät“ (Charakter, Gewohnheiten, äußerlichen Merkmale, die zur Identifizierbarkeit über die Zeit hinweg dienen) zu seiner „ipse-Identität“ (selbstgetroffene Entscheidungen, Selbsterkenntnis, Selbstkonzepte) zu entwickeln und zu einer Person zu werden. Dasselbe gilt für ganze Völker, die ihr eigenes Schicksal gestalten, indem sie ihre Geschichte entweder bewahren oder aber, mehr oder weniger freiwillig oder unfreiwillig, in Vergessenheit geraten lassen.