Induktion

Aus dem Lateinischen inducere vom Griechischen epagōgē: herbeiführen. Dieser Begriff bezeichnet im weitesten Sinne eine Schlussfolgerung auf der Basis einer Annahme, d.h. eine aus dem Einzelfall abgeleitete und für wahr gehaltene Verallgemeinerung. Als Gegenbegriff zur Deduktion stellt die Induktion eine Schlussweise dar, bei der man vom Besonderen zum Allgemeingültigen übergeht, von Tatsachen zu Gesetzmäßigkeiten, von der Erfahrung zur Theorie. Wenn, wie es nach einem berühmten Beispiel von Aristoteles heißt, ein Schiff an einer Küste entlangsegelt und anschließend am selben Ort angelangt, so lässt sich daraus ableiten, dass das Land, an dem es entlanggesegelt ist, eine Insel ist. In der Logik lässt sich mit formaler Induktion nur das erkennen, was in den Grundannahmen bereits implizit enthalten ist. Sie führt also zu keinem Zuwachs an Wissen, aber verleiht ihm neuen Ausdruck. In der Mathematik bezeichnet sie eine Art des Beweisverfahrens durch Wiederholung. In den Naturwissenschaften verleiht sie der Beobachtung von Phänomenen besondere Bedeutung. Es ist daher die Methode der Empiriker schlechthin, die seit Bacon insbesondere von den angelsächsischen Philosophen, angewandt wird. Der wissenschaftliche Wert der Induktion wird oft bestritten. Hume, ein skeptischer Empiriker, macht deutlich, dass sie nur das Wahrscheinliche aufzeigt und nicht das Notwendige. Es wäre unzulässig, aus dem allmorgendlichen Sonnenaufgang abzuleiten, dass die Sonne immer aufgehen wird. Heutzutage wird der Induktivismus als unvollständige Methode angesehen. Obwohl die Induktion also ihren legitimen Platz in den Wissenschaften hat, muss sie durch rationale Überlegungen ergänzt werden, denn nach Bachelard ist es die Theorie, die das Experiment leitet.