Intuition

Vom lat. intueri: „ansehen, erkennen“. Der Begriff meint eine unmittelbare und aus diesem Grund augenscheinliche Erkenntnis. In der Philosophie ist dieser Begriff in der Erkenntnistheorie von Descartes zentral, deren erste Regel darin besteht, alles Wissen auf einer zugrundeliegenden Evidenz zu gründen, die durch die Intuition vermittelt wurde. In dieser Hinsicht definiert sie Descartes als „ein so müheloses und deutlich bestimmtes Begreifen des reinen und aufmerksamen Geistes“. So ist uns zum Beispiel die Gewissheit unserer Existenz durch die Intuition gegeben. Der Intuition gebührt demnach der Vorrang vor der Deduktion. Für Kant betrifft die reine Intuition die a priori vorhandenen Kategorien des Denkens: Raum und Zeit als die Grundbedingungen für die Wahrnehmung aller Phänomene und des objektiven Wissens. Damit ist die Bedeutung der Intuition nicht länger metaphysisch, d.h. nicht länger auf das gerichtet, was sich der Erfahrung entzieht. Für Bergson, andererseits, dient die Intuition keineswegs der Wissenschaft, sondern ermöglicht uns, zur spirituellen Dimension der Wirklichkeit vorzudringen: er definiert sie als „eine Art intellektueller Sympathie“, mit deren Hilfe wir die intensive Dauer erfassen können (die sich nicht in zeitliche Einheiten zerlegen lässt), die die Dichte des Bewusstseins und der Welt ausmacht. Nach Bergson sind die Mystiker diejenigen, die mit Hilfe der Intuition Zugang zu jenem elán vital („lebendiger Impuls, Antrieb"), verborgen und schöpferisch zugleich, haben, der bewirkt, dass die Evolution neue Lebensformen im Universum entstehen lässt.