Katharsis

griechischer Begriff medizinischen und religiösen Ursprungs, der Reinigung, Sühnung bedeutet. Eine philosophische Bedeutung erhält die Katharsis bei Aristoteles, der sie in seiner Poetik verwendet, um vor allem die Wirkung der Tragödie auf die Empfindungen des Zuschauers zu beschreiben. Die Inszenierung des tödlichen Schicksals des tragischen Helden ruft Angst (phobos) und Mitleid (eleos) hervor, Gefühle, die in der Realität eher zurückgewiesen werden, im Theater aber erwünscht sind. So stellt Aristoteles fest, dass die Vorstellungskraft (phantasia) die Macht hat, Affekte umzukehren und die Seele zu entlasten. Durch die Erzeugung intensiver Emotionen sensibilisiert und beruhigt das tragische Spektakel den Bürger. Die Katharsis hat also eine politische Bedeutung und das Theater einen erzieherischen Wert. In der Psychoanalyse bezeichnet der Begriff die Wirkung des Bewusstwerdens eines verdrängten Ereignisses, d.h. das Verschwinden der Störungen, die das traumatische Ereignis hervorgerufen hat. Durch die Katharsis wird das Subjekt von der Repression befreit.