Kontingenz

Vom lat. contingentia: „das, was passiert“, „Zufall“. Im Gegensatz zum Notwendigen meint die Kontingenz die Möglichkeit, dass etwas eintritt oder eben nicht eintritt, oder dass es ganz grundsätzlich anders sein könnte, als es ist. In der Antike taucht die Frage nach der Kontingenz, die mit der Frage nach dem Zufall verbunden ist, vor allem in Zusammenhang mit dem Problem der „Contingentia Futura“ (Aussagen über kontingente Ereignisse in der Zukunft) auf. Dabei stehen auf der einen Seite Philosophen wie Aristoteles, die glauben, dass es unvorhersehbar sei, welche Konsequenzen menschliches Handeln nach sich zieht, und auf der anderen Seite zum Beispiel die Stoiker (und nach ihnen Thomas von Aquin und noch später Leibniz), die an strenge Kausalität und Vorsehung (pronoia) glauben. In der zeitgenössischen Philosophie wird die Kontingenz von den Existentialisten (Heidegger, Sartre) oder von der Philosophie des Absurden (Camus) in Anspruch genommen. Das menschliche Sein wird dort als Sein ohne Grund, ohne Notwendigkeit gesehen, was sowohl Quelle der Angst als auch der Freiheit ist. In den Naturwissenschaften wird die Kontingenz, obwohl sie die Suche nach allgemeingültigen Naturgesetzen infrage stellt, dennoch von den Vertretern des Indeterminismus angenommen und insbesondere in der Quantenphysik verwendet, wie zum Beispiel von Heisenberg in seiner „Unschärferelation“.