Libertarismus

Diese politisch-ökonomische Strömung mit im Wesentlichen amerikanischem Ursprung vertritt die Idee, dass die individuelle Freiheit ein absoluter Wert ist und dass folglich keine Instanz legitimiert sein kann, dem im Wege zu stehen, was das Individuum mit seiner Eigeninitiative tun und erreichen kann. Das „Nichtaggressionsprinzip“ (Rothbard) ist daher das Grundprinzip des Libertarismus. So soll insbesondere das Recht auf Privateigentum, das Recht, über den eigenen Körper zu verfügen, und das Recht auf freien Waren- und Personenverkehr verteidigt werden. Der Libertarismus unterscheidet sich vom Liberalismus, wie er zum Beispiel von Rawls vertreten wurde, insofern er davon ausgeht, dass eine gerechte Gesellschaft den alleinigen Standpunkt desjenigen einnehmen müsse, dem sie etwas nehmen würde (weil er zu den Besitzenden gehört), und nicht desjenigen, dem sie etwas geben könnte. So behauptet es Nozick, Kollege und Gegner von Rawls an der Harvard University. Der Libertarismus bringt seine Anhänger in die Nähe von Anarchisten, da beide Gruppen verlangen, dass man die staatliche Macht weitestgehend beschränken sollte und die Hauptaufgabe des Staates bei der Verwaltung des Gemeinwohls lediglich darin bestehen sollte, die Sicherheit seiner Bürger zu garantieren. Die Vertreter dieser Denkrichtung werden stark kritisiert, auch für die Ausschreitungen, die sie anscheinend befördern oder zumindest tolerieren. Dennoch sind sie der Auffassung, dass die freie Kooperation der Individuen ausreiche, um eine Gesellschaft zu befrieden und ihr den Wohlstand zu bringen. Gegen den Vorwurf, sie lasse dem Egoismus freien Lauf (und befördere letztlich das „Recht des Stärkeren“, wo der Gesellschaftsvertrag auf sein einfachstes Minimum reduziert ist), wehrt sich diese Strömung mit dem Gegenargument, dass jeder einzelne es verdiene, dass man ihm zutraut, von seiner Freiheit den rechten Gebrauch zu machen.