Nichts

Vom lat. non ens, „Nicht-Sein, Nicht-Dasein“. Das, was nicht ist, oder das, was am Ursprung der Verneinung steht. Nach Parmenides ist es unmöglich, nach Gorgias (Autor einer Abhandlung über das Nichtseiende) bloß äußerst anspruchsvoll und raffiniert, das Nichts zu denken. Erst bei Platon, der zugesteht, dass das Nichts auf gewisse Weise existiert („dem Nichtseienden irgend Seiendes zukommt“), weil es ansonsten unmöglich wäre, etwas zu verneinen, bekommt das Nichts eine Art von erster Konsistenz. Für Aristoteles ist dieser Begriff, der nur in der Vorstellung und im Denken gilt, jedoch nicht in der Natur, dann mit den logischen Kategorien des Mangels und der Negation zu vergleichen. Kant unterscheidet vier Formen des „Nichts“: Es bezeichnet demzufolge entweder einen leeren Begriff ohne einen entsprechenden Erfahrungsgegenstand (wie Gott oder die Freiheit), die Abwesenheit einer bestimmten Eigenschaft oder Qualität, die prinzipiell erfahrbar ist (wie zum Beispiel der Schatten oder die Kälte), eine leere Anschauungsform ohne mögliche Darstellung (wie zum Beispiel reiner Raum, ohne Gegenstand) oder, schließlich, einen reinen Widerspruch (eine unmögliche Form wie ein rechteckiger Kreis). Hegel wiederum sieht im Nichts ein Äquivalent zum Sein, in der Hinsicht, dass sie beide vollkommen unbestimmt sind. Es ist aber vor allem der Existentialismus, der den Sinn dieses Begriffs vertieft: das Nichts, wie das Seiende, verstanden als Partizip der Gegenwart, wird für Heidegger zu dem, wodurch das Sein sich offenbart. Es ist nicht nichts, sondern eine Anwesenheit, die sich in der Angst zeigt, dadurch fühlbar wird. Als reiner Schwindel gehört es zum Wesen des Seins. Für Sartre setzt deshalb die bloße Möglichkeit, Nein zu sagen, die Anwesenheit des Nicht-Seins in uns voraus, weil „das Nichts das Sein heimsucht“. Dieses „Loch im Sein“, das in uns ist und das uns erlaubt, die Welt zu negieren, bzw. daraus alles zu entfernen, was nicht das Objekt unserer Intention ist (zum Beispiel muss ich, um an Pierre denken zu können, alle anderen Personen, die ich kenne, für einen Moment negieren, aus meinem Denken ausschließen), offenbart unsere Fähigkeit zu wählen, Entscheidungen zu treffen und somit frei zu sein.