Nihilismus

Vom lat. nihil: „nichts“. Eine Geisteshaltung oder Doktrin, die das Sein und das Absolute negiert und zum Relativismus hin tendiert. In der altgriechischen Philosophie werden manchmal die sophistische Denkschule (vor allem das Denken des Gorgias, der polemisch behauptet, dass „das Seiende nicht ist“), und auch die der Skeptiker als nihilistisch bezeichnet. In der deutschen Philosophie taucht dieser Begriff nicht vor 1787 auf, und er erlangt erst in den antimetaphysischen Debatten des 19. Jahrhunderts seine volle philosophische Bedeutung. In Anlehnung an Mephistopheles, der in Goethes Faust behauptet, „alles, was entsteht, / Ist wert, daß es zugrunde geht; / Drum besser wär’s, daß nichts entstünde“, haben die Nihilisten eine pessimistische Sicht auf die Welt und ihre Werte. Nietzsche unterteilt die Nihilisten in passive (wie Schopenhauer) und reaktive (wie die russischen Anarchisten, die die Gewalt und Zerstörung des Staates predigen und wie Sergey Nechayev zur „gnadenlosen Zerstörung“ aufrufen). Nietzsche setzt ihnen einen aktiven Nihilismus entgegen, der allein es ermöglicht, alle Werte umzuwandeln und eine neue Welt zu schaffen, in der der Übermensch, also der Schöpfer seiner eigenen Werte, triumphiert. Bei Heidegger kennzeichnet der Nihilismus die letzte Etappe der Seinsvergessenheit: das Zeitalter der technischen Vision einer Welt, in der alles gleich ist.