Norm

Vom lat. norma, „Regel, Maß, Modell“. Diskriminierendes, d.h. abgrenzendes, Prinzip, auf das sich, implizit oder explizit, ein Werturteil bezieht. In der Kunst ist eine solche Norm oft vorschreibend (präskriptiv) und wertend (Hume studiert zum Beispiel die Normen des Geschmacks). In den Naturwissenschaften lassen sich Normen sowohl bei der Herstellung und Handhabung technischer Geräte als auch als Vorgaben für die wissenschaftliche Arbeitsweise finden. In der Moral vergleicht die normative Ethik (verschieden von der rein deskriptiven Ethik) die verschiedenen Moraltheorien, die das menschliche Verhalten nach den Maßstäben des Guten und Gerechten bewerten. Das Paradoxe an der Norm ist, dass sie selbst an sich weder wahr noch falsch ist, aber doch als Bezugsgröße dafür dient, weil sie entweder ein statistischer Mittelwert ist oder das, was am häufigsten vorkommt und damit als sozial akzeptiert gilt. Die philosophische Tradition hinterfragt deshalb vor allem den Ursprung und auch den Gebrauch der Normen. Oft werden sie von der Gesellschaft auferlegt und stellen sich als Ideale dar, nach denen der Mensch sein Leben ausrichten muss, wenn er sich nicht entsprechenden Sanktionen aussetzen will. Vor allem die Humanwissenschaften versuchen, die Normen zu ergründen: die Linguistik beschreibt die Normen der Sprache (Grammatik und Sprachgebrauch), die Soziologie die Normen des habituellen menschlichen Verhaltens mit all seinen Abweichungen, und die Psychologie die normal wie auch pathologisch angesehen Verhaltensweisen. Im 20. Jahrhundert wird die Idee der „Normalität“ angeprangert, weil sie als Machtinstrument erkannt wird, so vor allem von Foucault.