Notwendigkeit

Die Notwendigkeit charakterisiert das, was nicht nicht sein kann oder das, was nicht anders sein kann, als es ist. In der Metaphysik ergibt sich die Notwendigkeit aus der Essenz der Dinge, in der Physik aus den Naturgesetzen, in der Logik aus der Rationalität der Sprache. Als Gegenpart zur Kontingenz ist die Notwendigkeit, die in der griechischen Mythologie unter dem Namen der „Ananke“ (Zusammenziehung aus ananke estin, „es muss“) zur Gottheit erhoben wird, ursprünglich die, deren Gebot selbst die Götter unterstehen. Platon lässt sie, im finalen Mythos seiner Republik, über das Schicksal der Seelen bestimmen, die dennoch selbst ihr Geschick wählen, bevor sie wiedergeboren werden. Die Notwendigkeit gilt als kategorisch, wenn sie die rationalen Prinzipien der Logik betrifft, und als hypothetisch, soweit sie auf Annahmen oder zumindest teilweise auf Erfahrungen beruht. Leibniz identifiziert sie mit dem Satz vom zureichenden Grund, der besagt, dass nichts ohne Ursache geschieht, d.h., dass alles, was existiert, ein notwendiger Bestandteil des von Gott gewollten Universums ist. Hume hält den Übergang von der kausalen Folgerung (die eine Frage der Wahrscheinlichkeit ist) zu der Vorstellung von Naturgesetzen in der Physik für unzulässig. Für Kant ist die Notwendigkeit eine modale Kategorie, die sich aus der Vereinigung des Möglichen mit der Existenz ableitet. In der Moral erlaubt sie es, zu zeigen, wie die Vernunft zu etwas verpflichten kann. Heutzutage führt die Komplexität der Wissenschaften dazu, diese Kategorie nur mit Vorsicht zu gebrauchen. So zieht zum Beispiel die Evolutionsbiologie den Zufall der Notwendigkeit vor, wie es Monod in seinem Essay Zufall und die Notwendigkeit zeigt.