Noumenon

Vom griech. nooumenon, „gedachtes Ding, Verstandesding“, seinerseits hervorgegangen aus „nous“, "Geist". Dieser Begriff, der Platons Timaios entlehnt ist, wo er sich auf die Ideen bezieht, spielt in der Philosophie Kants eine zentrale Rolle. Im Gegensatz zum sinnlich wahrnehmbaren Phänomen kennzeichnet das Noumenon die Sache an sich, das heißt, so, wie sie nicht erfahren, sondern nur gedacht werden kann. Es handelt sich um ein begrenzendes Konzept, dass den Anspruch der Erfahrung und Empfindungsfähigkeit beschränken soll. Aber der Wert des Noumenons erschöpft sich nicht im Negativen. Der praktischen Vernunft dient das Noumenon, aus dem die metaphysischen Ideen der Seele, der Welt und von Gott abgeleitet werden, als Postulat der Moral. So kann der Mensch sowohl von einem phänomenologischen Standpunkt aus als den Naturgesetzen unterworfen betrachtet werden, als auch von einem noumenalen Standpunkt aus als freier Akteur, wenn auch seine Freiheit unergründbar bleibt.