Zweifel

Vom lateinischen dubitare (zweifeln, zögern): Ein Zustand der Ungewissheit, der es unmöglich macht, eine Entscheidung zu treffen, sei es frewillig, aus Unwissenheit oder aus psychologischer Schwäche (man spricht dann von Abulia, ‚Willenlosigkeit‘, oder sogar „Wahnsinn des Zweifelns“). Der Zweifel erhält mit der skeptischen Schule eine philosophische Bedeutung, die in Anbetracht der Tatsache, dass die Wahrheit, falls sie existiert, unzugänglich ist, empfiehlt, das eigene Urteil auszusetzen und an keiner Meinung festzuhalten, um frei zu sein. Dieser bei Montaigne auftauchende existentielle Zweifel wird bei Descartes methodisch. In seinem „radikalen Zweifel“, den er auf alles anwendet (hyperbolisch), und unter der Annahme eines bösen Dämons, der danach strebt, ihn über alles Wissen in der Welt zu täuschen, gelangt Descartes schließlich zum cogito. Auf diese erste und unzweifelhafte Gewissheit gründet er jede weitere Überzeugung. Die Methode des Zweifels kennzeichnet außerdem den Geist der Wissenschaften, die Erfahrungsdaten erst dann akzeptieren, wenn sie sie überprüft haben.