Wahrnehmung

Die Wahrnehmung bezeichnet im Allgemeinen eine Funktion, durch die wir sinnliche Repräsentationen von den äußeren Objekten bilden. Sie darf nicht verwechselt werden mit dem Empfinden, das den unmittelbaren Sinneseindruck meint, und auch nicht mit der Vorstellungskraft, mit deren Hilfe wir diese Sinneseindrücke neu zusammensetzen können. In der Wahrnehmung kommen die Empfänglichkeit für eine äußere Gegebenheit und die geistige Aktivität zusammen. Deshalb wird die Wahrnehmung mitunter auch als synthetisches Vermögen bezeichnet (was auch erklärt, dass dieser Ausdruck vom lat. capere, „fassen, nehmen“, stammt). Als solches vermag sie nicht immer die Außenwelt getreu abzubilden. Das zeigt sich zum Beispiel bei der Rot-Grün-Schwäche, bei der Betroffene die Welt anders wahrnehmen. Zu erklären, wie die Wahrnehmung  Sinneseindrücke ordnet, ist nicht einfach, vor allem weil dabei auch die Interpretation und die Sprache eine wichtige Rolle spielen: Das jeweilige wahrnehmende Subjekt hat immer seine eigene individuelle Geschichte und Kultur, was unweigerlich auch seine Wahrnehmung der Dinge beeinflusst. In dem Versuch, das Problem solcher Verbindungen und Beeinflussungen zu lösen, unterscheiden einige Denker zwischen äußerer und innerer Wahrnehmung. Letztere bezieht sich dann auf das Wissen, das das Bewusstsein von seinen eigenen Zuständen hat. Man spricht schließlich auch von Apperzeption (z.B. bei Leibniz, auf den dieser Ausdruck zurückgeht), um das Selbstbewusstsein des Bewusstseins zu bezeichnen, also die reflexive Aktivität, die nicht von äußeren, über die Sinnesorgane vermittelten Empfindungen abhängt. Es zeigt sich also, dass die Wahrnehmung sich nicht nur auf eine Koordinierung der Sinneseindrücke bezieht, sondern auch auf die Beziehung zwischen der Seele (als Objekt der Psychologie) und dem Körper (einem Objekt der Physiologie).