21 Impulse für 2021

Nummer Sonderausgabe 17 - 2020

Das Jahr 2020 – es wird uns in Erinnerung bleiben als das Jahr der Coronapandemie. Der weltweite Einbruch des Virus hat uns zutiefst erschüttert, im großen politischen Maßstab wie im kleinen alltäglichen. Zeitweise schien es fast unmöglich, über etwas anderes nachzudenken.

Viele Debatten wirkten dieses Jahr schärfer, drängender, ob sie unmittelbar aus der Pandemie erwuchsen oder schon länger schwelten: Nach welchen ethischen Maßstäben den Wert des Lebens bemessen? Wie die Schwächsten in unseren Gesellschaften schützen? Wie umgehen mit Isolation und Einsamkeit? Auch mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit, der globalen Beziehungen, der Solidarität und der grundsätzlichen Ausrichtung unserer politischen Systeme haben Philosophinnen und Intellektuelle sich weltweit auseinandergesetzt; die Auseinandersetzungen um Rassismus als strukturellem Problem unserer Gesellschaften, die Herausforderungen der Klimakrise, der Streit um demokratische Teilhabe – Themen, deren Dringlichkeit vor dem Hintergrund der Coronakrise in neuem Licht erschien.

Dass wir 2021 die Pandemie überwinden können – wir hoffen es. Die Fragen, die uns im Pandemiejahr beschäftigt haben, sie werden uns weiter begleiten. In diesem Heft haben wir Essays von herausragenden internationalen und deutschsprachigen Denkerinnen und Denkern gesammelt, deren Reflexionen uns inspiriert haben und uns wegweisend scheinen – für das kommende Jahr und darüber hinaus.

 

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Themen der Edition:


Politik – Herausforderungen unserer Zeit

Die Coronakrise hat die gesamte Weltgemeinschaft vor eine gemeinsame Bedrohung gestellt. In unterschiedlichen Ländern hat sie aber auch verschiedene Formen angenommen und je spezifische Probleme und Ungerechtigkeiten ans Licht gebracht. Was kann und muss im gemeinsamen und geeinten Handeln bewältigt werden, und was braucht lokale Lösungen? Lässt sich für die globale Politik etwas aus der Pandemie lernen? Liegt in ihr vielleicht sogar eine Chance?

Mit: Paul Ebillotte, Arundhati Roy, Felwine Sarr und Jared Diamond

 


 

Klima – Die Krise in der Krise?

Erderwärmung, Ressourcenmangel, Artensterben – die bereits sichtbaren Folgen der Klimakrise fordern uns schon lange dazu auf, unsere Lebensweise infrage zu stellen und nachhaltiger zu handeln. Während der Einbruch der Pandemie die Sorge ums Klima und den Klimaaktivismus zunächst zu verdrängen schien, meldeten sich schon bald Stimmen zu Wort, die argumentierten, dass gerade die Coronapandemie auch die Möglichkeiten zeige, Krisen mit größerer Entschlossenheit und Geschwindigkeit entgegenzutreten.

Mit: Maja Göpel & Petra Pinzler, Wolfgang Sachs und Dayton Martindale

 


 

Identität und Geschlecht – Was ist normal?

Was genießt gesellschaftliche Anerkennung – und was bleibt außen vor? Bei Fragen von Geschlecht und Geschlechtlichkeit geht es bei Weitem nicht nur um Männer und Frauen, sondern auch um Alter, Sozialisierung, Kultur. Wie können die vielfältigen Emanzipationsbewegungen nebeneinander bestehen und sich von Generation zu Generation weiterentwickeln, ohne sich gegenseitig zu bekämpfen und ohne dass Wut und Empörung zur Last werden?

Mit: Helen Lewis, Charles King, Martha Nussbaum und Alice Bota

 


 

Technik und Gesellschaft – Wie wollen wir leben?

Auch fernab der großen politischen Entscheidungen hat die Coronapandemie uns auf persönlicher Ebene bewegt. Selbstverständlichkeiten wurden auf den Prüfstand gestellt, und versteckt wirksame gesellschaftliche Muster sind deutlicher sichtbar geworden. Manchen hat der forcierte Stillstand geholfen innezuhalten, mehr Zeit für sich und andere zu finden oder sich in Dankbarkeit und Empathie zu üben. Für andere führte er zu Einsamkeit, Traurigkeit, Rastlosigkeit und Existenzängsten. Über die Gesellschaft in einer Krise, die unsere Art des Fühlens und gemeinsamen Handelns infrage stellt.

Mit: Bruno Latour, Lisa Herzog, Silke Van Dyk, Stefanie Graefe, Tine Haubner, Masha Gessen, John Gray und Thomas Chatterton Williams 

 


 

Rassismus – Die Feindseligkeit in unserer Mitte

Weltweit ist das Thema Rassismus im vergangenen Jahr wieder stark ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Angestoßen durch die Proteste gegen Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten wurde auch in Europa vermehrt über Diskriminierungen diskutiert. Und das Bewusstsein dafür gestärkt, dass der Blick in die USA nicht genügt. In Deutschland sorgten die Mbembe-Debatte und die damit neu aufkommende Frage nach Erinnerungskultur für erhitzte Gemüter. Aber auch die Frage, wie wir in Deutschland und Europa mit Migration umgehen wollen, ist so aktuell wie eh und je.

Mit: Gary Younge, Todd May, George Yancy, Michael Rothbergund Dina Nayeri

 

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Inhalt


POLITIK /

  • PAUL SEBILLOTTE
    Mit dem Schuppentier leben lernen
    Inwiefern stellt die Coronapandemie die Dichotomie von Natur und Kultur auf den Prüfstand?
  • ARUNDHATI ROY
    Durch das Tor des Schreckens
    Wie wirkt sich die Coronapandemie auf Indien aus?
  • FELWINE SARR
    Wir sprechen uns nach der Krise!
    Sollte der afrikanische Kontinent dieses Mal glimpflicher davonkommen als der Rest der Welt?
  • JARED DIAMOND
    Mehr globale Kooperation wagen
    Welche Lehren können wir aus der Coronakrise ziehen?

KLIMA /

  • MAJA GÖPEL & PETRA PINZLER
    Natürlich geht es!
    Welche Trugschlüsse hat der Umgang mit der Coronakrise entlarvt?
  • WOLFGANG SACHS
    Das Ende eines Mythos
    Wie lange können wir noch am Konzept der „Entwicklung“ festhalten?
  • DAYTON MARTINDALE
    Plädoyer für die Tierbefreiung
    Warum kommt den Tierrechten im Klimaaktivismus eine derart untergeordnete Rolle zu?

IDENTITÄT UND GESCHLECHT /

  • HELEN LEWIS
    Wie J. K. Rowling zu Voldemort wurde  
    Wie lässt sich der feministische Generationenkonflikt um die Harry-Potter-Schöpferin erklären?
  • CHARLES KING
    Gender ist, was wir daraus machen 
    Was, wenn das Normale nur eine Frage der Perspektive ist?
  • MARTHA NUSSBAUM
    Die Schwäche der Furien
    Wie kann der Feminismus mit Kränkungen und verletztem Vertrauen umgehen?
  • ALICE BOTA
    Sie haben keine Angst mehr 
    Ist es gerechtfertigt, die Proteste in Belarus als „feministisch“ zu bezeichnen?

TECHNIK UND GESELLSCHAFT /

  • BRUNO LATOUR
    Es geht auch anders! 
    Welche Maßnahmen müssten wir ergreifen, um nicht zum Produktionsmodell von vor der Krise zurückzukehren?
  • LISA HERZOG
    Der Wert der Arbeit 
    Welche Arbeit genießt gesellschaftliche Anerkennung und warum?
  • SILKE VAN DYK, STEFANIE GRAEFE & TINE HAUBNER
    Das Überleben der Anderen
    Zeigen wir den Alten wirklich Wertschätzung, wenn wir sie entmündigen?
  • MASHA GESSEN
    Die Isolation und ihre Folgen
    Wie umgehen mit der unbekannten Gefühlswelt der Coronapandemie?
  • JOHN GRAY
    Überwachungskapitalismus, Überwachungsstaat 
    Worin besteht das Zusammenspiel zwischen Individualismus und Überwachung?
  • THOMAS CHATTERTON WILLIAMS 
    Ein Spiel des Zufalls 
    Gab es Cancel Culture schon im Alten Testament?

RASSISMUS /

  • GARY YOUNGE
    Toxische Nostalgie
    Was verrät Europas Solidarität mit dem Schwarzen Amerika über eigene rassistische Missstände?
  • TODD MAY & GEORGE YANCY
    Die Polizei als Problem 
    Warum ist es falsch, bei Polizeigewalt nur über Einzeltäter zu sprechen?
  • MICHAEL ROTHBERG
    Das Gespenst des Vergleichs
    Was offenbart die Debatte um Achille Mbembe über Erinnerungskultur und Meinungsfreiheit in Deutschland?
  • DINA NAYERI
    Für immer Flüchtling 
    Wie können wir Geflüchteten mit mehr Empathie und Menschlichkeit begegnen?