Anwalt des Kleinen
Der Konservatismus entstand nicht erst 1789 in Reaktion auf die Französische Revolution, sondern bereits im frühneuzeitlichen Kampf gegen das absolutistische Königtum. Sein Ursprung ist also nicht antidemokratisch, sondern antizentralistisch. Eine Position, die bis heute nachwirkt.
Die Geburtsstunde des Konservatismus wird üblicherweise auf das Jahr 1789 datiert. In Paris brach die Revolution aus, das Ancien Régime kollabierte, und die Revolutionäre überboten sich mit Vorschlägen zur Neuordnung der Gesellschaft. Die Menschheit erlebte, wie Hegel später halb ironisch bemerkte, einen „herrliche(n) Sonnenaufgang“ der Geschichte, den Anbruch einer neuen Zeit voller fantastischer Möglichkeiten. Einigen ging das jedoch zu schnell, sie verspürten ein Unbehagen angesichts der grassierenden Gestaltungslust, des Eifers der sich bekämpfenden Fraktionen, des allgemeinen Schwankens, das in der Situation völliger Offenheit nun um sich griff. Erste Misstöne schlichen sich ein: War denn wirklich alles schlecht an der altköniglichen Ordnung? Und beruhte der Zauber des Neuen vielleicht bloß auf einer Verführung zum Wahnsinn – dem Wahnsinn der Vernunft, der schon bald seine terroristischen Züge erkennen lassen sollte, als im Jahr 1790 die ersten Revolutionsgegner hingerichtet wurden? Der irisch-britische Philosoph Edmund Burke verlieh diesem Unbehagen schon früh Ausdruck. Seine Betrachtungen über die Französische Revolution, ein Jahr nach dem Sturm auf die Bastille veröffentlicht, gelten als Gründungsmanifest des Konservatismus: Burke gab sich als Skeptiker der revolutionären Vernunftregierung zu erkennen. Gegen das Pathos der Aufklärung setzte er auf die natürlich-göttliche Ordnung, gegen die neue Demokratie auf das über Jahrhunderte gewachsene Königtum, gegen die Freiheit auf die Autorität, gegen Gleichheit und Brüderlichkeit auf die wohlgeordnete ständische Gesellschaft. Diesen antirevolutionären Zug haben Konservative seither immer wieder variiert, mal in aristokratischer, mal in demokratischer Gestalt, aber die Frontstellung, so heißt es, sei noch immer die gleiche: das Ringen mit der Französischen Revolution.
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