Reportage

Der Untergang des Reichs von Ghom

Michel Eltchaninoff veröffentlicht am 22 min

35 Jahre nach der Revolution wachsen im Iran die Zweifel: Wie eng sollten Religion und Politik aneinander gebunden sein? Recherche in Ghom, dem schiitischen „Vatikan“. Der Ort, an dem die islamische Republik geboren wurde – und wo sie schon bald ihr Ende finden könnte

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Gespräch
6 min

Christian Neuhäuser: „Wenn wir extremen Reichtum verbieten, steigern wir das Innovationspotenzial“

Dominik Erhard

Einem Oxfam-Bericht zufolge ist das Vermögen der zehn reichsten Menschen der Welt seit Beginn der Pandemie um eine halbe Billion Dollar gewachsen. Das ist mehr als genug, um Impfstoffe für die Weltbevölkerung bereitzustellen. Im Interview argumentiert der Philosoph Christian Neuhäuser, warum Reichtum dieses Ausmaßes abgeschafft werden sollte.

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Essay
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Weibchen wählen Männchen schön

Cord Riechelmann

Wie lässt sich die betörende Schönheit im Reich der Tiere erklären? Für Charles Darwin ist die Evolution von Schönem an die Freiheit zur Wahl gebunden. Mit Nützlichkeit und Fitness hat das zunächst wenig zu tun, sehr wohl aber mit der Eigenwilligkeit des weiblichen Geschmacks


Essay
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Fundamentaler Wandel

Philipp Sarasin

Die Islamische Revolution im Iran hat nicht nur den politischen Islam auf die Weltbühne gebracht, sondern auch das politische Subjekt neu zu denken gegeben. Bei Michel Foucault, der 1978 als Reporter in den Iran reiste, leitete sie eine folgenreiche Wende im Denken ein.

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Gespräch
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Imre Kertész: "Denken ist eine Kunst, die den Menschen übersteigt"

Alexandre Lacroix

Die Redaktion des Philosophie Magazin trauert um Imre Kertész. In Gedenken an den ungarischen Schriftsteller veröffentlichen wir ein Interview mit ihm aus dem Jahr 2013.

Nietzsche, Wittgenstein, Camus – es war die Philosophie, die Imre Kertész den Weg zur Literatur wies. Der ungarische Nobelpreisträger blickte in seinem, wie er selbst vermutete, „letzten Interview“ zurück auf ein Leben, das sich weder durch Konzentrationslager noch die kommunistische Zensur zum Schweigen verdammen ließ.

„Wissen Sie, ich habe viel über Ihre Fragen nachgedacht“, sagte Imre Kertész gleich zu Beginn, als er uns in seiner Wohnung in Buda, einem Stadtteil von Budapest, empfing. „Mir liegt daran, mit Ihnen ein schönes Interview zu führen, weil es vermutlich mein letztes sein wird.“ Dieser testamentarische Satz könnte makaber wirken, aber im Gegenteil: Seiner kurzatmigen Stimme zum Trotz leuchtet es in seinen Augen lebhaft und verschmitzt. Seit gut einem Jahrzehnt kämpft Kertész mit der Parkinsonkrankheit, Ursache zahlloser Schmerzen und Schwierigkeiten, von denen seine veröffentlichten Tagebücher berichten. Diese Krankheit zwang ihn, 2012 offiziell das Schreiben aufzugeben, und lässt ihm täglich nur wenige kurze Momente der Ruhe.

Es ist schwer, nicht gerührt zu sein bei der Begegnung mit diesem so geprüften und zugleich so zäh durchhaltenden Menschen, der unentwegt über die Paradoxa des Daseins als „Überlebender“ nachgesonnen hat. Imre Kertész wurde 1929 geboren. 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert, dann nach Buchenwald gebracht, wo er 1945 die Befreiung des Lagers erlebte. Den wesentlichen Teil seines Lebens hat er daraufhin unter dem kommunistischen Regime in Ungarn verbracht. Kertész begann Mitte der fünfziger Jahre zu schreiben. Zugleich toleriert vom Regime und sorgsam ferngehalten von der Öffentlichkeit, veröffentlichte er in äußerst überschaubaren Auflagen und kühl aufgenommen von der offiziellen Kritik Meisterwerke wie „Roman eines Schicksallosen“ oder „Der Spurensucher“. Erst mit dem Zusammenbruch des Ostblocks wurden seine Werke in aller Welt übersetzt und fanden internationale Anerkennung, gekrönt vom Literaturnobelpreis im Jahr 2002.
Wenn es eine weniger bekannte Dimension seiner Existenz gibt, dann ist es das Verhältnis des Schriftstellers zur Philosophie. Aus Leidenschaft, doch auch, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, übersetzte Imre Kertész zahlreiche deutsche Philosophen vom Deutschen ins Ungarische, unter ihnen Friedrich Nietzsche und Ludwig Wittgenstein. Die Lektüre dieser Autoren sowie die von Albert Camus und Jean-Paul Sartre hat unentwegt sein Werk genährt. Vor allem aus dem Wunsch heraus, sich über seine – intensive und beständige – Beziehung zur Philosophie zu äußern, stimmte Kertész unserer Interviewanfrage zu.

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Jan-Werner Müller: „Der Kulturkampf der Republikaner ist ein Ablenkungsmanöver“

Dominik Erhard

Präsident Trump erkennt seine Wahlniederlage noch immer nicht an und verschärft so die Spaltung des Landes. Was hinter der polarisierenden Politik der Republikaner steht und warum die Demokraten eine wichtige Chance vergeben haben, um diese zu stoppen, erläutert der in Princeton lehrende Populismusforscher Jan-Werner Müller im Gespräch.

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Krzysztof Charamsa - Durch die Gnade der Liebe

Alexandre Lacroix

Krzysztof Charamsa war einer der Leiter der Kongregation für die Glaubenslehre – der Erbin der Inquisition –, bis er in einem spektakulären Akt dem Vatikan den Rücken kehrte. Seit seinem Coming-out im Jahr 2015 stellt er in einem Feldzug gegen die Heuchelei die Sexualmoral der katholischen Kirche infrage.


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Im Reich der Geschwindigkeit

Hartmut Rosa

Kaum ein anderes Land wandelt sich derzeit so radikal wie China. Während in den hypermodernen Städten ein einzigartiger Leistungs- und Konkurrenzdruck herrscht, scheint in vielen entvölkerten Dörfern die Zeit wie stehen geblieben. Hartmut Rosa bereiste zwei Wochen das Reich der Mitte und zeichnet das Porträt einer gespaltenen Gesellschaft, die alles auf Aufstieg setzt. Doch zu welchem Preis?

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Totentanz in Iguala

Michel Eltchaninoff

Die Entführung von 43 mexikanischen Lehramtsstudenten einer Landhochschule in Ayotzinapa Ende 2014 hat die ganze Welt bewegt. Die Hintergründe der Tat liegen immer noch im Dunkeln. Unser Autor ist zum Ort des Geschehens gereist, um Antworten zu finden: Wie hängen die dortige Gewalt und die Geschichte Mexikos zusammen? Wie konnte aus dem einst revolutionären Geist des Landes ein Staat erwachsen, in dem der Hobbes’sche Naturzustand, ein Krieg aller gegen alle, herrscht? Und was ist in jener Schreckensnacht wirklich geschehen? Bericht aus einer albtraumhaften politischen Realität.