Die Achtung des Lebendigen
Von Anhängern der Kritischen Theorie ist selten Gutes über den Konservatismus zu hören. Doch Max Horkheimer, Mitbegründer der Frankfurter Schule, verstand den Begriff durchaus positiv und hielt ihn für aussagekräftiger als die gängige Unterscheidung zwischen rechts und links.
Seit die Kritische Theorie im Zuge ihrer Rezeption durch die Studentenbewegung weit über das universitäre Milieu hinaus Bekanntheit erlangte, wird über ihre politische Einordnung gestritten. Viele Protagonisten der Achtundsechziger, darunter der 1970 mit nur 27 Jahren verstorbene SDS-Aktivist Hans-Jürgen Krahl, hatten in Frankfurt bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno studiert, sich mit ihnen aber heftig über deren Verhältnis zur politischen Praxis gestritten. Die Frage, ob Horkheimer und Adorno rechts oder links seien, spielte bei diesen Streiten keine wesentliche Rolle. In den späten 1960er-Jahren fungierte „rechts“ noch nicht als die politisch entleerte und umso stärker moralisch aufgeladene Feinderklärung, die sie heute ist. Der Vorwurf, der gegen Adorno und Horkheimer seitens ihrer Schülerschaft am häufigsten erhoben wurden, war vielmehr der des „Konservatismus“.
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