Jens Hacke: „Der Liberalkonservatismus ist die politische Haltung der alten Bundesrepublik“
Nach 1945 war der Konservatismus in Deutschland diskreditiert, hatten doch auch konservative Kräfte den Aufstieg Hitlers begünstigt. Zugleich bildete sich in der Nachkriegszeit eine andere, liberale Form der Denktradition heraus. Über ihre Vertreter und ihr Verhältnis zu Demokratie und Staat spricht Jens Hacke.
Herr Hacke, Sie argumentieren, dass wir ein besseres Verständnis der Bundesrepublik und ihrer Institutionen erhalten, wenn wir auf eine Gruppe liberalkonservativer Philosophen blicken, die auch als „Ritter-Schule“ bekannt wurde. Wer waren diese Denker und wofür standen sie ein?
Die Ritter-Schule ist benannt nach Joachim Ritter. Als Philosophie-Professor in Münster hat Ritter nach dem Krieg eine Reihe von Denkern, mit zum Teil stark verschiedenen politischen und philosophischen Ansätzen, zusammengeführt. Seine bekanntesten Schüler waren Odo Marquard, Hermann Lübbe, Robert Spaemann und auch Ernst-Wolfgang Böckenförde. Sie sind alle in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre geboren, waren 1945 noch nicht einmal 20 Jahre alt. Einige von ihnen wurden zu Verfassungspatrioten, die ursprünglich mit der Sozialdemokratie sympathisierten und sich in der Adenauer-Republik für Reformen einsetzten. 1968 jedoch kam es zu einer Auseinandersetzung mit dem linken, staatskritischen Aktivismus. Plötzlich erschienen ihre Positionen, wonach die Bundesrepublik eine zwar mangelhafte, aber funktionierende Demokratie sei, die es zu verteidigen gälte, eher konservativ.
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