Spreu und Weizen
Der Konservative vertraut dem Bestehenden und blickt skeptisch auf das Neue. Doch was lohnt sich, erhalten zu werden? Sechs Positionen zum Wert und Unwert von Geschlechterdifferenzen, Vermögensunterschieden und nationalen Grenzen.
Sollten wir an Geschlechterunterschieden festhalten?
PRO: Christoph Türcke
Komplexe Organismen (Lurche, Fische, Vögel, Säugetiere) pflanzen sich durch Zellfusion fort. Zwei komplementäre Keimzellarten – eine eindringende und eine aufnehmende – verschmelzen zu einem Fötus. Föten mit einem XY-Chromosomensatz entwickeln sich auf die Ausbildung männlicher Geschlechtsorgane hin, Föten mit einem XX-Chromosomensatz auf die Ausbildung weiblicher. Abweichungen von dieser Entwicklung (Genmutationen, Enzymmängel etc.) sind extrem selten und ändern nichts daran, dass für Millionen von Jahren Sexualität und Heterosexualität identisch waren. Erst mit der Trieblockerung, die dem Homo sapiens gelang, wurde das anders. Und erst der gelockerte, durch Wunschvorstellungen erotisierte Trieb ist liebesfähig. Zur Liebe gehört die Fähigkeit, von der heterosexuellen Kopulation abzuweichen: zur Liebkosung anderer Körperzonen oder von gleichgeschlechtlichen, anderen Arten zugehörigen oder leblosen Sexualobjekten. Dies alles gehört zum kulturellen Abweichungsspielraum. In ihm ist niemand strikt hetero. Schon Küsse weichen ab.
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