Direkt zum Inhalt
Menu Top
    loginAnmelden shopping_basketHefte kaufen assignment_addAbonnieren
Navigation principale
  • Startseite
  • Impulse
  • Essays
  • Philo.live!
  • Gespräche
  • Hefte
  • Sonderausgaben
  • Philosophen
  • Begriffslexikon
  • Bücher
  • Kulturanzeiger
rechercher
 Philosophie Magazin - Impulse für ein freieres Leben
Menu du compte de l'utilisateur
    loginAnmelden shopping_basketHefte kaufen assignment_addAbonnieren
Navigation principale
  • Startseite
  • Impulse
  • Essays
  • Philo.live!
  • Gespräche
  • Hefte
  • Sonderausgaben
  • Philosophen
  • Begriffslexikon
  • Bücher
  • Kulturanzeiger
Tag - Body

Bild: Wikipedia

Impuls

Was ist die „unsichtbare Hand“ von Adam Smith?

Nicolas Tenaillon veröffentlicht am 13 Februar 2026 4 min

Der Ausdruck „unsichtbare Hand“ stammt aus dem Denken von Adam Smith, einem bedeutenden Vertreter der schottischen Aufklärung, und ist ein zentrales Konzept des Wirtschaftsliberalismus: Er bezeichnet die Fähigkeit des Marktes, sich selbst zu regulieren. Aber hatte dieser Ausdruck für seinen Urheber nur eine wirtschaftliche Bedeutung? 

In seiner Geschichte der Astronomie (geschrieben um 1750, veröffentlicht 1795) verwendet Adam Smith zum ersten Mal das Bild der unsichtbaren Hand. Die Erfindung des physikalischen Kraftbegriffs und die Entdeckung der Schwerkraft durch Newton ermöglichen es, die Fernwirkung zu erklären, die die Ordnung des Himmels regiert, und gleichzeitig den Glauben an einen ordnenden Gott zu bewahren (Newton sagt in seiner Optik von 1704, dass die Kräfte die „Sinne Gottes” sind, durch die er das Universum erkennt und regiert). Wenn Smith also von der „unsichtbaren Hand Jupiters” spricht, dann um zu bekräftigen, dass ein göttliches Gesetz dem Universum sein Gleichgewicht und seine Harmonie verleiht. 

Diese erste Verwendung der unsichtbaren Hand wird jedoch komplexer, als Smith das Bild in seiner Theorie der ethischen Gefühle (1759) wieder aufgreift. Dort bezeichnet es die Art und Weise, wie Leidenschaften und persönliche Interessen (z.B. die Liebe zum Luxus oder das Verlangen nach Distinktion) positive Auswirkungen haben. Smith schreibt, dass die Reichen „nur ihre eigene Bequemlichkeit im Auge haben“. Aber: „Von einer unsichtbaren Hand werden sie dahin geführt, beinahe die gleiche Verteilung der zum Leben notwendigen Güter zu verwirklichen, die zustande gekommen wäre, wenn die Erde zu gleichen Teilen unter alle ihre Bewohner verteilt worden wäre“ (IV, 1). Damit behält Smith die Idee der Vorsehung bei, macht sie aber raffinierter und dialektischer. Indem sie nur ihr eigenes Interesse verfolgen, tragen die Menschen paradoxerweise zur sozialen Harmonie bei. Bedeutet dies, dass Egoismus, eigentlich ein moralisches Laster, für Smith eine soziale Tugend ist?

 

Eine fundierte Wirtschaft?


Dies zu behaupten, hieße, Smiths Denken mit dem entschieden zynischen Denken von Bernard Mandeville zu verwechseln, der in der Bienenfabel (1714) behauptet, dass ohne Laster keine zivilisierte Gesellschaft bestehen könne. Mandeville vergleicht die Gesellschaft mit einem Bienenstock und die Individuen mit Bienen und glaubt, dass „die Laster der Einzelnen zum öffentlichen Glück beitragen”, denn wenn die Bienen tugendhaft und ehrlich werden, verarmt der Bienenstock und geht schließlich zugrunde.

Smith sieht darin jedoch nur eine Verwechslung zwischen privaten Lastern und wohlverstandenem Eigeninteresse: „Dr. Mandeville betrachtet alles, was aus dem Gefühl für das sittlich Richtige, aus Rücksicht auf das, was anerkennenswert und lobenswürdig ist, getan wurde, als etwas, das aus Verlangen nach Lob und Anerkennung oder aus Eitelkeit getan wurde” (Theorie der moralischen Gefühle, VII, II, 4). Für Smith ist das Verlangen nach Anerkennung oder Reichtum kein Laster an sich, es wird zum Vorteil, wenn es von moralischer Sympathie und dem Urteil des „unparteiischen Zuschauers” begleitet wird – einer Fiktion, die es jedem ermöglicht, sich selbst zu beurteilen und seinen Egoismus zu mäßigen. 

Mit anderen Worten: Das individuelle Interesse korrumpiert nicht das moralische Ziel, das im Streben nach Gemeinwohl besteht und der Existenz der Gesellschaft zugrunde liegt. Daher kann nach Ansicht von Smith das Bild der unsichtbaren Hand auf den wirtschaftlichen Bereich übertragen werden, ohne dass zu befürchten ist, dass es die Vernachlässigung anderer rechtfertigt. Denn der Markt ersetzt nicht das moralische Urteil; er setzt es voraus. Dies zeigt sich deutlich am Beispiel des wirtschaftlichen Patriotismus, der den Freihandel mäßigt und indirekt die Solidarität stärkt.

Der berühmt gewordene Satz „Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und Bäckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, daß sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen.“  muss daher als Zeichen des Vertrauens in die unsichtbare Hand verstanden werden. Diese bewertet besser als jeder einzelne moralische Akteur den gerechten Preis von Gütern, indem sie ihn spontan nach dem Wettbewerbsgesetz von Angebot und Nachfrage reguliert.

 

Eine notwendige Kontrolle


Aber ist das immer der Fall? Smith hatte erkannt, dass der Markt, wenn man ihn sich selbst überlässt, dazu neigt, die Reichsten zu begünstigen. Tatsächlich schafft die unsichtbare Hand Wohlstand, aber keine Gerechtigkeit. Der Philosoph verteidigt zwar den Liberalismus, erkennt jedoch an, dass ein aufgeklärtes öffentliches Urteil die vom Markt geschaffenen Ungleichgewichte korrigieren muss. Dieser staatliche Interventionismus, der für Sicherheit, Bildung, Gesundheit oder Raumplanung notwendig ist, muss jedoch selbst moderat sein, damit die unsichtbare Hand des Marktes nicht durch politische Interessen (wie das Staatsmonopol) gefesselt wird. Vom richtigen Gleichgewicht zwischen Interventionismus und Individualismus hängt der „Reichtum der Nationen“ ab – so der Titel seines berühmten Wirtschaftswerks.

Als Bild, das aus der Theologie und Physik stammt und zunächst auf die Moral und dann auf die Wirtschaft übertragen wurde, steht Smiths unsichtbare Hand seit mehr als zwei Jahrhunderten im Mittelpunkt der Debatten über die Vorzüge des Wirtschaftsliberalismus. Während des Kalten Krieges von Ultraliberalen wie Friedrich August von Hayek, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 1974, gepriesen, wird sie heute oft kritisiert. Barack Obama war beispielsweise der Meinung, dass „die unsichtbare Hand des Marktes die grüne Hand der Umwelt nicht reparieren wird”, weil der freie Markt die ökologische Dringlichkeit ignoriert. Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 2001, vertritt die radikalere Ansicht, dass der Zugang zu Informationen zwischen den Marktteilnehmern ungleich ist - und die unsichtbare Hand unsichtbar ist, „weil sie nicht existiert”. •

  • E-Mail
  • Facebook
  • Linkedin
  • Twitter
  • Whatsapp
Anzeige
Tag - Body

Weitere Artikel

Anzeige
Tag - Body
Hier für unseren Newsletter anmelden!

In einer Woche kann eine ganze Menge passieren. Behalten Sie den Überblick und abonnieren Sie unseren Newsletter „Denkanstöße“. Dreimal in der Woche bekommen Sie die wichtigsten Impulse direkt in Ihre Inbox.


(Datenschutzhinweise)

Jetzt anmelden!
Anzeige
Tag - Body

Fils d'ariane

  1. Zur Startseite
  2. Artikel
  3. Was ist die „unsichtbare Hand“ von Adam Smith?
Philosophie Magazin Nr.Nr. 86 - Januar 2026
Philosophie magazine : les grands philosophes, la préparation au bac philo, la pensée contemporaine
Februar / März Nr. 86
Vorschau
Philosophie magazine : les grands philosophes, la préparation au bac philo, la pensée contemporaine
Rechtliches
  • Werbung
  • Datenschutzerklärung
  • Impressum
Soziale Netzwerke
  • Facebook
  • Instagram
  • Twitter
  • RSS
Philosophie Magazin
  • Über uns
  • Unsere App
  • PhiloMag+ Hilfe
  • Abonnieren

Mit unseren Denkanstößen philosophische Ideen regelmäßig in Ihrem Postfach

Jetzt anmelden!