Susan Sontag und der Stil
„Stil ist alles“, schrieb Susan Sontag in ihren Anmerkungen zu ‚Camp‘. Darin huldigt sie dem modernen Dandy als radikalem Ästheten und Zeitgenossen. Sein Blick auf die Welt und die neue Massenkultur ist so naiv wie ironisch, demokratisch und versnobt zugleich. 1964 brach der Camp-Essay mit reichlichen Tabus und machte Sontag zum intellektuellen Star. Wie weit kommt man damit heute?
Unter den US-Intellektuellen des 20. Jahrhunderts gilt Susan Sontag als glanzvolle Verkörperung des europäischen Geistes. Alles, was in Buch- oder Filmform vom alten Kontinent kam, wurde von ihr umgehend okkupiert. Sartre, de Sade, Gide, Simone Weil, Cioran, Barthes, Dostojewski, Tolstoi, Kleist, Thomas Mann, Canetti, Benjamin, Ingmar Bergmann, Godard waren maßgeblich an der Sozialisation ihres Denkens beteiligt. Ihr Leben hingegen lässt sich als mustergültige Verwirklichung des amerikanischen Traumes erzählen, als intellektuelle Variante der „Vom Tellerwäscher zum Millionär“-Saga. Sontag selbst hat diese Erzählung kultiviert – besonders ausdauernd in Zeiten, in denen sie wegen ihrer zornigen Kritik am Bush-Regime als USA-Hasserin beschimpft wurde: Das Amerikanische an mir, verriet sie in einem ihrer zahlreichen Interviews, ist mein Ehrgeiz, mich immer wieder neu zu entwerfen und zu erfinden.
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