Trump – ein Indianer?
Trumps Misstrauen gegen Autoritäten und Institutionen ist tief in der amerikanischen Seele verwurzelt. So tief, dass es etwas mit den Native Americans zu tun haben könnte.
Trumps Wiederwahl gilt vielen als Triumph des Weißen Amerika, der verspäteten Western-Rüpel und nostalgischen Cowboys, die sich nach alter Freiheit, Größe und Wildheit sehnen. Umso mehr überraschte eine Meldung aus den Nachwahlbefragungen: Am besten hat Trump nicht bei Weißen abgeschnitten, sondern bei Native Americans: Rund 65 Prozent haben für ihn gestimmt. Damit wilderte er erfolgreich in einem Territorium, das eigentlich die Demokraten für sich beanspruchen: Förderung von Minderheiten, der Schutz von Stammesgebieten und Entschuldigungen für Verbrechen an den Ureinwohnern sind feste Bestandteile der demokratischen Agenda.
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Ali Abbasis neuer Film zeigt den Aufstieg Donald Trumps zum Immobilienmogul in den 1980ern, unterstützt von einem skrupellosen Anwalt. Eine provokative Reflexion über Trumps Persönlichkeit und den Machtkampf zwischen Politik und Wirtschaft in den USA.
Rutger Bregman: „Es liegt im Interesse der Herrschenden, die menschliche Natur für schlecht zu halten“
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