Metaphysik

Vom griech. meta ta physica, „das, was nach der Physik kommt“, oder: „das, was der Physik hierarchisch übergeordnet“ ist. Der Ausdruck wird das erste Mal gewählt von Andronikos von Rhodos (1. Jh. v. Chr.), dem Herausgeber der Werke des Aristoteles, der die Zusammenstellung dieser Schriften so betitelte, weil diese hinter der Physik eingeordnet waren, und es ermöglichen, sich auf das zu stützen, was die Erfahrung übersteigt. Die Metaphysik, auch „erste Philosophie“ genannt, befasst sich mit dem „Sein als Sein“ (Ontologie). Im Mittelalter wird sie unterteilt in eine generelle (die über das Sein nachdenkt) und in eine spezielle Metaphysik, deren Objekte die Welt (Kosmologie), die Seele (Psychologie) und Gott (Theologie) sind. Der Rationalismus des 17. Jahrhunderts fährt fort, alles Wissen auf sie zu begründen. So bekräftigt Descartes, dass „die gesamte Philosophie also einem Baume vergleichbar ist, dessen Wurzel die Metaphysik, dessen Stamm die Physik und dessen Zweige alle übrigen Wissenschaften sind“ (Prinzipien der Philosophie). Kant allerdings stellt die Möglichkeit einer metaphysischen Wissenschaft in Frage, deren Objekte nur Ergebnis des Glaubens sein können. Über die „Dinge an sich“, die in der klassischen Metaphysik häufig vorausgesetzt werden, und ihre Eigenschaften lässt sich demnach nichts sicher sagen, nur ihre Wirkungen sind erkennbar. Dennoch gesteht er zu, dass sie als Postulate für die Moral unabdingbar sind. Das 19. Jahrhundert markiert mit dem Aufstieg des Atheismus (Marx, Nietzsche) und des Positivismus den Niedergang der Metaphysik, Auguste Comte zufolge war das metaphysische Zeitalter damit überholt. Aber gerade die spiritualistischen Gegenbewegungen: die Gründung der Fachzeitschrift Revue de Métaphysique et de Morale 1893, der Bergsonismus, … zeugen von ihrer Lebendigkeit. Und während Heidegger im Nihilismus die Grundlage der Metaphysik sieht und deshalb eine Überwindung dieser erreichen will (die im Laufe ihrer Geschichte die Frage des Seins durch das Denken in Begriffen einer letzten Grundlage wie Gott oder der Vernunft beantwortet hätte), bewahrt ihr die zeitgenössische Philosophie, befreit von theologischen Belangen, einen Platz in ihren Untersuchungen über die Grundlagen der Wissenschaften oder über die Grenzen des Denkens.