Strukturalismus

Eine philosophische Strömung, die bei ihren Forschungen über die konstituierenden Elemente eines beliebigen Fachgebiets von grundlegenden systemischen Beziehungen und Strukturen ausgeht. Der Strukturalismus denkt die Subjekte und Objekte nicht von ihrer vermeintlichen Natur her, sondern von den charakteristischen Verbindungen (zwischen ihnen, mit ihrer Umgebung, in Bezug auf das System, in dem sie sich entwickeln,...). Im Gegensatz zum Existentialismus und zu den Philosophien über das menschliche Subjekt bekräftigt der Strukturalismus also die Vorrangigkeit der Strukturen über die Figuren, des Systems über die Individuen, aus denen es besteht. Diese Denkströmung wurde anfänglich von der Linguistik Saussures inspiriert (der zeigt, dass ein einzelnes Wort nur im Zusammenhang mit anderen verständlich ist) und bevorzugt bei ihren Untersuchungen den formalistischen Ansatz gegenüber der historischen Annäherung an die Objekte, mit denen sie sich befasst. In den Humanwissenschaften hat sich diese Herangehensweise als sehr fruchtbar erwiesen, vor allem in der Anthropologie mit Levi-Strauss (dessen Arbeit sich mit den elementaren Strukturen der Verwandtschaft befasst), in der Psychoanalyse mit Lacan (für den „das Unbewusste wie eine Sprache strukturiert ist“), in der Semiologie mit Barthes (der den Strukturalismus als eine ursprüngliche Methode der Literaturanalyse betrachtet und ihn zugleich noch radikalisierte), in der Philosophie mit Althusser, Foucault und Deleuze, wobei die beiden letzteren sich nicht immer in dieser Bewegung wiedererkannt haben. Der Strukturalismus erreicht in den 1960er Jahren seinen Höhepunkt und verliert zum Ende der 70ger Jahre mit dem Aufkommen einer neuen Philosophie, die erneut das menschliche Subjekt in den Vordergrund stellt, wieder an Bedeutung. Er ist letztlich nur schwer zu vereinheitlichen und charakterisieren, außer durch die lebhaften Debatten, die er angestoßen hat (wie der Streit um den Humanismus, den, gegen seinen Willen, Foucault losgetreten hat, als er am Ende seines Buches Die Ordnung der Dinge vom „Tod des Menschen“ sprach). Man kann die Bewegung aber definieren als den Versuch, „ein transzendentales Feld ohne Subjekt“ zu schaffen, d.h.: die Aktivität des Geistes und die Produkte der Kultur zu untersuchen, ohne als Voraussetzung dafür anzunehmen, dass ein bewusstes Subjekt deren Urheber ist.