Substanz

Vom lat. sub stare, „darunter stehen“, also: „das Stützende“ selbst abgeleitet vom griech. hypostasis. Die lateinische Bedeutung verweist aber vor allem auf das griechische ousia, „Wesen“. Der Ausdruck bezeichnet zuerst das, was in sich selbst ist und was dauerhaft und unveränderlich verharrt. So definiert dient die Substanz als „Grundlage“ für Attribute und die Akkzidenzien (es ist also dasjenige, was „unter“ diesen „liegt“). Sie verschmilzt mit dem Begriff des Substrats. Aber Substanz meint auch das, was an sich selbst ist, was also keines äußeren Seinsgrundes bedarf (causa sui). Aristoteles unterscheidet eine erste Substanz (ousia protè), die für ihn das individuelle Wesen bezeichnet (zum Beispiel: Sokrates) und eine zweite Substanz (ousia deutera), die sich auf die Gattung oder auf die Art dieses Individuums bezieht (zum Beispiel: die Menschen oder die Säugetiere). Für Descartes gibt es nur zwei Substanzen, nämlich eine denkende Substanz (res cogitans) und eine ausgedehnte Substanz (res extensa). Weil der Mensch aus beidem zusammengesetzt ist, kann er in gewisser Weise als eine dritte Substanz betrachtet werden. Spinoza erkennt hingegen nur eine einzige Substanz an (definiert als „das, was in sich selbst ist und durch sich selbst begriffen wird“) und legt Descartes Unterscheidung strenger aus: eine Substanz, nämlich Gott, für die „Denken“ und „Ausdehnung“ nur Attribute von unendlich vielen sind. Kant macht aus der Substanz die erste der Kategorien der Relation. Sie ist eine abstrakte Form des Urteils und wird für die Vernunft problematisch, wenn diese ihr eine metaphysische Realität zuschreiben will. Beweisen zu wollen, dass die Seele eine Substanz ist, zeugt laut Kant von einer Paralogie, einem Denkfehler.