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Averroes, kommentieren und versöhnen

Victorine de Oliveira veröffentlicht am 04 Februar 2026 5 min

Vor 900 Jahren, 1126, wurde Averroes in Córdoba geboren. Er war begeisterter Kommentator von Aristoteles und verstand es, Philosophie und Religion, Vernunft und Glauben miteinander in Dialog zu bringen.

Wenn man vom arabischen Denken spricht, ist „Averroes“, selbst neunhundert Jahre nach dessen Geburt, der erste Name, der einem in den Sinn kommt – eine beachtliche Leistung. Doch nicht viele werden sich ohne Schwierigkeiten in das Werk desjenigen einarbeiten können, den man „den Kommentator“ nennt, so sehr mögen uns die Probleme, mit denen er sich beschäftigt hat, auch heute noch unverständlich erscheinen. Ist der Intellekt auf jedes Individuum aufgeteilt oder bildet er ein einheitliches Ganzes, einen „Monopsychismus“? Kann man Gott menschliche Eigenschaften zuschreiben oder ist er nur reiner Intellekt? Inwieweit muss seine Rede für alle zugänglich gemacht werden? Diese letzte Frage hat nichts von ihrer Aktualität eingebüßt. Begleitet von seiner Lektüre des Aristoteles’ beschreitet Averroes (1126-1198) einen philosophischen Weg, der versucht, Glauben und Vernunft miteinander in Einklang zu bringen, ohne jemals das eine gegenüber dem anderen zu bevorzugen. Die politischen Rivalitäten seiner Zeit mögen zwar seine Position und seinen materiellen Wohlstand beeinträchtigt haben, doch hatten sie nur geringen Einfluss auf seine philosophischen und religiösen Überzeugungen - obwohl er sein ganzes Leben lang der Macht nahestand.

 

Der Philosoph und der Kalif

 

Man kann nicht über Averroes sprechen, ohne Aristoteles zu erwähnen, der sein Lebenswerk war. Ihm verdankt er seinen Spitznamen: Der größte Teil seiner Schriften besteht aus einem detaillierten Kommentar zum Werk des griechischen Philosophen. Das hat nichts mit einem Mangel an Originalität oder einer Form von intellektueller Faulheit zu tun. Im 12. Jahrhundert praktizierte man Philosophie, indem man sich über die Interpretation der Alten stritt und gedankliche Verrenkungen vollführte, um die griechische Kosmogonie und den Monotheismus miteinander in Einklang zu bringen. Im arabisch beherrschten Spanien (damals al-Andalus genannt) war Aristoteles in Mode. Averroes begann sich dafür zu interessieren, nachdem er auf einer Reise nach Marokko vom zukünftigen Kalifen Abu Yaqub Yusuf um Erläuterungen zu Punkten der aristotelischen Lehre gebeten worden war. Vielleicht war es zunächst nur, um die Neugier eines Mächtigen zu befriedigen, dass Averroes sich in das intensive Studium der Politik und der Metaphysik vertiefte. Doch dieser erste opportunistische Anstoß verwandelt sich schnell in eine Leidenschaft und einen intellektuellen Wettstreit, der zu zahlreichen Werken führt, darunter die Entscheidende Rede, Die Unvereinbarkeit der Unvereinbarkeit und Intelligenz und Denken.

Im ersten Werk, das sich wie eine Fatwa – eine Rechtsberatung, die mehrere Optionen prüft – präsentiert, fragt sich Averroes, „ob das Studium der Philosophie und der Logikwissenschaften durch das offenbarte Gesetz erlaubt oder verurteilt oder sogar vorgeschrieben ist, sei es als Empfehlung oder als Verpflichtung“ – ob die islamischen Gesetze die Ausübung der Philosophie empfehlen, erlauben oder verbieten. Er stellt fest, dass zahlreiche Verse des Korans den Gebrauch der Vernunft vorschreiben, um „die Seinswesen“ besser zu verstehen. Dieses Verständnis ist jedoch nur einer bestimmten Geistesklasse zugänglich, insbesondere denen, die in der Lage sind, Syllogismen zu verstehen - also die virtuoseste Form des Denkens. Fragen der Gleichheit zwischen Individuen stehen nicht wirklich auf der Tagesordnung. Aus diesem Grund empfiehlt er die Lektüre der Alten, derjenigen, „die sich vor dem Aufkommen des Islam mit diesen Fragen beschäftigt haben“. Dennoch muss der Leser kritisch bleiben: „Wenn sich alles als richtig erweist, werden wir es von ihnen annehmen; und wenn sich etwas als falsch erweist, werden wir darauf hinweisen.“

Zu Lebzeiten brachte diese kritische Strenge Averroes Lob und Schutz ein, zumindest während der Regierungszeit von Yusuf. Bis zu seinem Tod im Jahr 1184 sorgte dieser, der den Beinamen „intellektueller Kalif“ trug, dafür, dass die Thesen von Averroes auf große Toleranz stießen, was nicht allen Theologen gefiel. Unter Yusufs Herrschaft wurden keine Todesurteile mehr ohne Gerichtsverfahren verhängt. Averroes versuchte jedoch nicht, die Religion zu bekämpfen, ganz im Gegenteil. Er schlug vielmehr einen anspruchsvollen Mittelweg ein, der die „Offenbarung“ durch die Arbeit der Vernunft erhellte, auch wenn dies bedeutete, dass er sich den manchmal auftretenden Widersprüchen stellen musste. So war er ein Kompass für diejenigen, die einen sogenannten „aufgeklärten“ Islam gegenüber obskurantistischen Kräften verteidigten.

 

Der „Depravator“

 

Fünfzig Jahre nach seinem Tod wird der Jurist und Philosoph seinerseits Gegenstand zahlreicher Kommentare, insbesondere von Thomas von Aquin. Aus dem „Kommentator“ wird der „Depravator“, wie der christliche Heilige treffend bemerkt. Seiner Meinung nach habe Averroes nichts vom Denken Aristoteles’ verstanden und es sogar völlig verdreht! Unter anderem stört sich Thomas von Aquin an der Frage des Monopsychismus, der Idee eines von den Individuen getrennten Intellekts, der sie überlebt: Was ist dann mit der Moral und der Schöpfung? Aus seinem Grab heraus würde es dem andalusischen Philosophen schwerfallen, auf diesen regelrechten Angriff zu reagieren, der einen Großteil der lateinischen Theologen der damaligen Zeit, von Bonaventura bis Albertus Magnus, mobilisiert. Einige Maler stellen ihn sogar in einer leicht demütigenden Haltung dar, zu Füßen eines viermal so großen Thomas von Aquin.

Angesichts eines Islam, der immer mehr Missverständnisse und Unverständnis hervorruft, gilt Averroes heute als Vermittler. Sein Denken bleibt gewissermaßen ein Zufluchtsort, der Beweis dafür, dass der Dialog zwischen verschiedenen Religionen und Kulturen umgesetzt werden konnte – auch wenn er in seiner Vollkommenheit nur in der Fantasie existiert. Viele Intellektuelle der arabischen Welt zeigen eine gewisse Nostalgie für diesen versöhnlichen Islam, der sich nicht als Festung, sondern als Kreuzungspunkt verstand. Dies gilt beispielsweise für den Dichter und Philosophen Abdelwahab Meddeb (1946-2014) und den Politikwissenschaftler Hamadi Redissi. Wie Letzterer hervorhebt, erscheint Andalusien im 12. Jahrhundert auch deshalb als solch idyllische intellektuelle Landschaft, weil die Massen davon ausgeschlossen waren. Sobald die Debatte öffentlich wird, ist es viel schwieriger, den Konservatismus zu bekämpfen – vor allem in Ländern, deren Reichtümer durch die Kolonialisierung und später durch die Korruption der nachfolgenden politischen und wirtschaftlichen Eliten, ausgebeutet wurden. Auch wenn die Einladung von Averroes immer mehr wie ein frommer Wunsch erscheint, ist es noch nicht zu spät, ihn nach seiner eigenen Methode zu lesen: Wenn etwas nicht stimmt, „werden wir es melden“. •

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