Wem gehört meine Zeit?
Nr. 86 - Februar / März
Innere und äußere Leistungsimperative fressen schnell die Lebenszeit auf. Kein Wunder, dass zeitgenössische Trends gerade in die umgekehrte Richtung weisen: das Verhältnis von Leben und Arbeit wird neu verhandelt. Wie sähe eine Gesellschaft aus, die den verschiedenen Dimensionen des Seins gerechter wird? Liegt gar in künstlicher Intelligenz eine Chance?
Alle Texte in der Übersicht
Dossier: Wem gehört meine Zeit?
Wem gehört meine Zeit?
Zeitgenössische Trends fordern ein neues Verhältnis von Arbeit und Leben. Wie lässt sich die Existenz erfüllter gestalten?
Meine Zeit
Das Prinzip Leistung durchdringt das moderne Leben. Und doch gibt es in uns einen unverfügbaren Rest, der Widerstand leistet und den Weg in eine bessere Zukunft anzeigt. Fünf Menschen erzählen.
Nicole Mayer-Ahuja: „Kurze Vollzeit müsste die neue Normalarbeitszeit werden“
Zunehmend wird die Forderung laut, dass wir mehr arbeiten sollten. Doch an der Lebenswirklichkeit der meisten Beschäftigten geht das vorbei, argumentiert die Soziologin Nicole Mayer-Ahuja. Im Interview erklärt sie, warum Arbeitszeit das „Maß der Freiheit“ ist und inwiefern der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit unsere Gesellschaft noch immer prägt.
Mehr Müßiggang wagen?
Für viele Menschen prägt Arbeit das Leben und auch ihr Selbstverständnis. Wie würden sich der Einzelne und die Gesellschaft verändern, wenn sie eine geringere Rolle spielte? Denkanstöße finden sich in der Philosophiegeschichte.
Nach der Arbeit
KI droht, Arbeitsleistung radikal zu entwerten und damit unsere Quelle für Wohlstand und Würde zunichtezumachen. Doch zugleich steckt in der Technik das Potenzial für ein freies Leben ohne Lohnarbeit. Es kommt darauf an, die Weichen richtig zu stellen und herauszufinden, woraus Wohlstand und Würde in Zukunft erwachsen können.
Arena
China wird sozialistisch
Der neue Fünfjahresplan will den Konsum im Reich der Mitte stärken. Massenwohlstand, soziale Sicherheit, Gesundheitsvorsorge und Rentenerhöhung für Arme werden zu Wachstumsfaktoren erklärt. Klingt das nicht nach jenem Sozialismus, von dem sich China einst verabschiedet hat?
Quo vadis, MAGA?
Bei den Republikanern gibt es Richtungskämpfe um die Nachfolge Trumps. Der junge Neonazi Nick Fuentes mischt das rechte Establishment auf.
Annekathrin Kohout: „Die Reaktionen bemächtigen sich der Inhalte“
Die Sozialfigur unserer Zeit ist der hyperreaktive Mensch, meint die Kulturwissenschaftlerin Annekathrin Kohout. Im Gespräch blickt sie auf die problematische Entwicklung Sozialer Medien und die darin gewachsene "Reaktionskultur". Kohout erklärt, warum Soziale Medien ein Ort des Zynismus sind und was wir dagegen in der Hand haben.
Vom Umgang mit Verlusten – und wie wir die Zukunft zurückgewinnen
Geopolitische Umbrüche, Krisen, Kriege: Die moderne Fortschrittserzählung funktioniert nicht mehr, so der Soziologe Andreas Reckwitz in seinem aktuellen Buch Verlust. Dass alles immer besser wird, ist fragwürdig geworden. Juli Zeh hat eine andere Perspektive: Wir sind, so ihre These, viel zu verlustfixiert, um uns produktiv der Zukunft zuzuwenden. Wie also müssen wir unsere Zeit begreifen? Beim jüngsten Philo.live!-Festival trafen die beiden zum ersten Mal aufeinander.
Demokratie für Analphabeten
Das Zeitalter der KI ist der Ursprung einer neuen, schriftfreien Mündigkeit, meint Wolfram Eilenberger.
Leben
Choreografierte Lust
Der Ernährungstrend des Blutzucker-Trackings hat Konjunktur. Doch was heißt es, wenn jede Mahlzeit einer strikten Abfolge unterworfen wird?
Flüssige Bäume
Grünes Licht wabert in dem brutalistisch anmutenden Aquarium, umgeben von Betongrau.
Performative Reading
In der Bahn oder im Café Walter Benjamins Passagen-Werk, James Joyce’ Ulysses oder David Forster Wallaces Unendlicher Spaß in den Händen halten, dabei aber auffällig häufig umherschauen und auffällig selten umblättern – für dieses Phänomen hat sich in den sozialen Medien ein neuer Begriff etabliert: Performative Reading.
Jung. Christlich. Reaktionär?
Unter jungen Menschen in Deutschland und Europa scheint der christliche Glaube im Trend zu liegen. Bei einigen verbindet sich die Religion mit kulturkonservativen Vorstellungen weiblicher Keuschheit und teilweise auch mit rechtsextremistischem Denken. Eine Spurensuche nach den vielfältigen Gründen der neuen Religionsbegeisterung.
Darf ich egoistisch sein?
Der Egoismus gilt vielen als zwar natürliche, aber doch problematische Einstellung des Menschen. Sollten wir uns von ihm leiten lassen?
Die Potenz des Unvermögens
Neujahr ist die Zeit der Vorsätze. Man will Dinge können, die man noch nicht kann. Und verzweifelt oft. Zu Unrecht, meint unsere Kolumnistin Millay Hyatt.
Klassiker
Karl Jaspers und die Grenzsituation
Vom Psychiater zum Existenzphilosophen zum politischen Mahner – Karl Jaspers’ intellektuelle Biografie ist die eines Grenzgängers. Die Grenze zieht sich auch als Leitmotiv durch sein Denken; sie ist der Ort, an dem der Mensch sich selbst begegnet.
Was ist Neuer Materialismus?
In unserer Rubrik Auf einen Blick machen wir Begriffsgeschichte in einem Schaubild verständlich. Diesmal: Neuer Materialismus. Vertreter des Neuen Materialismus lehnen die Unterscheidung von Natur und Kultur, das Primat des Geistes über der Materie und die Sonderposition des Menschen ab. Sie zeigen, dass nicht nur der Mensch, sondern auch Dinge handlungsfähig sind.
Marsilio Ficino und die Schönheit
„Schönheit“ ist der „Blütenschmuck der Güte“, schreibt der Philosoph Marsilio Ficino. Wie ist das zu verstehen?
Salon
Jachtgedanken
Zwei neue Alben aus Großbritannien laden zum Nachdenken über große Fragen und Kreuzfahrschiffe ein.
Algerische Schatten
Mit Der Fremde inszeniert François Ozon den existenzialistischen Urstoff Albert Camus’ neu und legt seine politische Dimension offen.
Das Ideelle im Konkreten
Max Beckmann zählt zu den herausragenden Künstlern der Klassischen Moderne. Das Städel Museum zeigt seine Entwicklung zum Maler, der seinen Stil als „transzendente Sachlichkeit“ verstand.
Theoriewahnsinn
Der Podcast Don’t read theory verbindet linke Subkultur mit Lust an steilen Thesen
Bücher
Die Prediger der Disruption
„Dunkle Aufklärung“ aus Kalifornien: Rainer Mühlhoff, Martin Andree und Michael Steinberger untersuchen die Propheten der künstlichen Intelligenz – und ihre philosophisch verbrämten Ideen von einer neuen Gesellschaft.
Die kämpfende Erzählerin
Die indische Bestsellerautorin Arundhati Roy verbindet Widerstand und Imagination: In ihren Essays streitet sie für Demokratie und gegen Nationalismus, Kastenwesen oder andere Ungerechtigkeiten. Mit ihrem Roman Der Gott der kleinen Dinge wurde sie weltberühmt. Jetzt hat sie ein Memoir veröffentlicht, in dessen Zentrum die Mutter steht.
Finale
Phil.Kids (02/26)
Kleine Menschen wissen oft mehr als große. Wir fragen, Kinder antworten.