Geteilte Angelegenheiten
Politik lebt von Gegensätzen. Doch bei einigen Themen und Ansätzen verschwimmen die Unterschiede zwischen den Lagern. Über drei Konzepte, die sowohl bei Konservativen als auch bei Linken Anklang finden.
Natur
Konservative Parteien treten heute eher als hindernde denn als treibende Kraft von Klimaschutzmaßnahmen auf. Dabei führen die Wurzeln des Umweltschutzes zurück zur konservativen Kulturkritik, die sich im späten 19. Jahrhundert in Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder den USA regte. Als Reaktion auf die zerstörerische Kehrseite der Industrialisierung setzten deren Vertreter auf lokale ökologische Fürsorge, auf eine Pflege der die Gemeinschaft umgebenden Landschaft. Diese, so schreibt der Biologe Ludwig Trepl in Die Idee der Landschaft, soll zur Vollkommenheit gebracht werden, indem Schönheit, Eigenart und Vielfalt in ihr zusammenfließen – eine Naturbetrachtung, die an Johann Gottfried Herder anschließt. Es gilt, die wilde Natur so zu formen, dass ihre regionalen Besonderheiten zur Geltung kommen und den darin lebenden Menschen nützlich werden. Umgekehrt hat sich die Gemeinschaft gleichermaßen der Umgebung anzupassen, um ihre Schönheit nicht zu zerstören. Als Ideallandschaft gilt damit die „Kulturlandschaft“: eine organische Einheit von „Land und Leuten“, wie es bei Wilhelm Heinrich Riehl heißt, die dem Wesen beider entspricht. Der konservative Naturschutz besteht so historisch vor allem in einer eng miteinander verwobenen Heimat- und Denkmalpflege.
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Konservative Typen
Im Alltag trifft man den Konservativen in verschiedenen Gestalten. Was diese Figuren bei allen Gegensätzen eint, ist, dass sie in unserer Gegenwart tendenziell verschwinden – oder sich verwandeln.
Was heißt es, links zu sein?
Die Zerwürfnisse zwischen linken Lagern nehmen zu. Kämpfen sie noch für dieselbe Sache? Oder offenbaren sich hier unüberbrückbare Differenzen? Die Politikerin Sahra Wagenknecht und die Schriftstellerin Juli Zeh diskutieren über die Versäumnisse linker Politik, echte und künstliche Gegensätze und den richtigen Umgang mit rechts.
Die moralische Krise der Konservativen
Vermehrt wird jungen Menschen von konservativer Seite eine zu starke Moralisierung der politischen Debatte vorgeworfen. Das mag auf den ersten Blick verwirrend wirken, schien das Moralische doch lange Zeit ein Kernbestandteil des Konservativen zu sein. Doch hat diese Ablehnung gar viel tiefere Wurzeln, als es scheint?
„Queer“ – Eine Hommage an die Intimität
Das Verfehlen der Intimität ist großes Thema von Queer. Doch dieses vermeintliche Scheitern ist kein Fehler, sondern Ausdruck ihrer Natur, die Luca Guadagnino in seinem neuen Film als flüchtige Spannung zwischen Gegensätzen darstellt.
Die Illusion geteilter Gegenwart
Nach jahrelangen Diskussionen soll die Zeitumstellung nun abgeschafft werden. Der Streit zwischen Langschläfern und Frühaufstehern wird dennoch weitergehen. Dabei verkennen beide Seiten eine existenzielle Einsicht
Gefangen im Dilemma?
Erinnern Sie sich noch an Reem? Reem Sahwil ist das palästinensische Mädchen, dem Bundeskanzlerin Merkel vor knapp einem Jahr im Rahmen eines Bürgerdialogs erklärte, dass seine aus dem Libanon eingereiste Familie kein Bleiberecht in Deutschland erhalten werde, da der Libanon keine Kriegszone sei und Deutschland aus den dortigen Lagern schlicht nicht alle Menschen aufnehmen könne. Noch während Merkel ihre Begründung ausführte, fing Reem bitterlich zu weinen an. Die Kanzlerin stockte, ging darauf in einer Art Übersprunghandlung auf das im Publikum sitzende Mädchen zu und begann es zu streicheln, weil, wie Merkel, noch immer mit dem Mikro in der Hand, erklärte, „weil ich, weil wir euch ja nicht in solche Situationen bringen wollen und weil du es ja auch schwer hast“.
Wo endet meine Verantwortung?
Erinnern Sie sich noch an Reem? Reem Sahwil ist das palästinensische Mädchen, dem Bundeskanzlerin Merkel vor knapp einem Jahr im Rahmen eines Bürgerdialogs erklärte, dass seine aus dem Libanon eingereiste Familie kein Bleiberecht in Deutschland erhalten werde, da der Libanon keine Kriegszone sei und Deutschland aus den dortigen Lagern schlicht nicht alle Menschen aufnehmen könne. Noch während Merkel ihre Begründung ausführte, fing Reem bitterlich zu weinen an. Die Kanzlerin stockte, ging darauf in einer Art Übersprunghandlung auf das im Publikum sitzende Mädchen zu und begann es zu streicheln, weil, wie Merkel, noch immer mit dem Mikro in der Hand, erklärte, „weil ich, weil wir euch ja nicht in solche Situationen bringen wollen und weil du es ja auch schwer hast“.
Beweg dich!
Sport zu machen, kommt heute mehr einer gesundheitlichen Pflichterfüllung als einer geteilten freizeitlichen Aktivität mit anderen gleich. Kann es sein, dass wir Sport mittlerweile als reinen Zwang empfinden – und nicht als Lust, uns zu bewegen?