Konservative Typen
Im Alltag trifft man den Konservativen in verschiedenen Gestalten. Was diese Figuren bei allen Gegensätzen eint, ist, dass sie in unserer Gegenwart tendenziell verschwinden – oder sich verwandeln.
Dandy
Er ist immer elegant gekleidet, trägt Maßgeschneidertes und achtet auf Details wie Halstücher und Handschuhe. Er ist kultiviert, arrogant und ironisch. Er weiß seine Mitmenschen zu unterhalten und zu provozieren, verliert dabei selbst niemals die Fassung. Geschieht es ihm doch, verwandelt er die Gefühlsregung in eine theatralische Geste. Der Dandy, so Charles Baudelaire, hat „das Vergnügen zu erstaunen und die stolze Befriedigung, niemals erstaunt zu sein“.
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Geteilte Angelegenheiten
Politik lebt von Gegensätzen. Doch bei einigen Themen und Ansätzen verschwimmen die Unterschiede zwischen den Lagern. Über drei Konzepte, die sowohl bei Konservativen als auch bei Linken Anklang finden.
Die moralische Krise der Konservativen
Vermehrt wird jungen Menschen von konservativer Seite eine zu starke Moralisierung der politischen Debatte vorgeworfen. Das mag auf den ersten Blick verwirrend wirken, schien das Moralische doch lange Zeit ein Kernbestandteil des Konservativen zu sein. Doch hat diese Ablehnung gar viel tiefere Wurzeln, als es scheint?
Malin Grahn-Wilder: „Das Bild des harten, strengen Philosophen ist einseitig“
Stoizismus wird oft mit Emotionslosigkeit und Härte in Verbindung gebracht, also heutzutage in unserer Kultur tendenziell männlich konnotierten Eigenschaften. Dennoch oder gerade deswegen lohnt es sich, das Verständnis von Geschlecht der Stoiker genauer unter die Lupe zu nehmen.
Lebensangst oder Hingabe? Wege aus der modernen Erschöpfung
Gefühle der Angst begleiten uns schon lange durch das moderne Leben. Es scheint jedoch, als würden sich solche Gefühle tendenziell verstärken. Stehen wir an der Schwelle eines Zeitalters der Lebensangst? Und was bedeutet das für unsere fundamentale soziale Fähigkeit zur Mitwirkung, die Bereitschaft zur Hingabe?
Über Wachen und Schlafen
Wacht endlich auf! Diese Forderung findet sich heute in der gesamten Gesellschaft, bei Progressiven und Konservativen, bei Woken und Querdenkern. Die inflationäre Ausbreitung dieser Metapher offenbart vor allem eines: eine Hypnophobie, die von der Inspirationskraft der Träume nichts mehr weiß.
Staatskörper
Mit der bevorstehenden Berufung der Juristin Amy Coney Barrett an den US-amerikanischen Supreme Court erhoffen sich viele Konservative eine Verschärfung oder gar Aufhebung des Rechts auf Abtreibung. Darin offenbart sich exemplarisch eine tiefe Widersprüchlichkeit der Republikanischen Partei, die sich sonst vehement gegen staatliche Eingriffe in die private Lebensführung stellt. Bei den amerikanischen Konservativen verbinden sich nämlich zwei Denktraditionen, die eigentlich nicht zusammengehen.
Diana Kinnert: „Es ist mir ein Rätsel, warum Konservative sich von Emanzipation bedroht fühlen“
Diana Kinnert entspricht nicht dem typischen Bild einer Konservativen. Dennoch ist sie im Alter von 17 Jahren der CDU beigetreten. Konservatismus bedeutet für sie etwas anderes als fortschritts- feindliche Klischees.
Sie ist wieder da. Die Frage nach der Identität.
In der gesamten westlichen Welt kehren Identitätsfragen ins Zentrum des politischen Diskurses zurück. Donald Trump stilisierte sich erfolgreich als Anwalt des „weißen Mannes“. Marine Le Pen tritt in Frankreich mit dem Versprechen an, die Nation vor dem Verlust ihrer Werte und Eigenheiten zu bewahren. Auch in Deutschland wird das Wahljahr 2017 von kulturellen Verlustängsten dominiert werden. Das Projekt der Europäischen Union droht derweil zu scheitern. Terrorangst schürt Fremdenfeindlichkeit Wie lässt sich diesen Entwicklungen gerade aus deutscher Sicht begegnen? Mit einem noch entschiedeneren Eintreten für einen von allen nationalen Spuren gereinigten Verfassungspatriotismus? Oder im Gegenteil mit neuen leitkulturellen Entwürfen und Erzählungen? Bei all dem bleibt festzuhalten: Identitätspolitik war in den vergangenen Jahrzehnten eine klare Domäne linker Politik (u. a. Minderheitenrechte, Genderanliegen). Sind bestimmte Kollektive schützenswerter als andere? Was tun, damit unsere offene Gesellschaft nicht von Identitätsfragen gespalten wird?