Was heißt es, konservativ zu sein?
Ein Wort, das vertraut und selbsterklärend erscheint und zugleich vielgestaltig und vage bleibt: Acht Personen aus Politik, Literatur und Journalismus erzählen, was sie unter dem Begriff „konservativ“ verstehen.
„Es gibt den Verdacht, dass die besseren Tage schon gewesen sein könnten“
Denis Scheck
Autor, Übersetzer und Literaturkritiker
Als konservativ wird eine Anlagestrategie an der Börse bezeichnet, die Kapitalerhalt vor Rendite und Stabilität vor Volatilität stellt. Auch einige medizinische Therapien laufen unter diesem Etikett, gemeint ist der Verzicht auf invasive Eingriffe bei gleichzeitiger Ruhigstellung des betroffenen Organs. Beide Denkungsarten eint ihr Glaube an heilige Ordnungen. In unserer Gegenwart benennt konservativ den Verdacht, dass sie das schon gewesen sein könnten, die besseren Tage. Dass die Sonne, weil ihr keine Wahl bleibt, auf nichts Neues scheint. Dass der Messias schon gekommen ist. Dass wir, ohne es zu merken, ins Paradies vertrieben wurden. Manche verstehen unter konservativ auch die Neigung, den Lügen von gestern mehr zu glauben als den Lügen von morgen. Konservativsein heißt für mich, die Gegenwart nicht für alternativlos zu halten. Die Beschäftigung mit Literatur trainiert den Möglichkeitssinn. „Was wäre, wenn …“ ist nicht nur die Ausgangsfrage der Science-Fiction, sondern jedes politischen Denkens schlechthin. Zurzeit erleben einige konservative Ideen eine Renaissance. Zum Beispiel, die Sklaverei abzuschaffen. Das Wahlrecht an den Wehrdienst zu koppeln. Das Vererben großer Vermögen zu verbieten.
Konservative Helden: die Gracchen.
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