Liberalismus

Eine Weltanschauung, die die Ausdehnung der Freiheiten befürwortet. Der Liberalismus ist ein mehrdeutiger und häufig auch negativ konnotierter Begriff, der sowohl eine Kultur als auch einen Regierungsstil bezeichnet. Man unterscheidet zwischen dem politischen und dem ökonomischen Liberalismus. Der politische Liberalismus, für den Locke einen der berühmtesten Vertreter darstellt, sieht in der individuellen Willensentscheidung die Quelle aller sozialen Beziehungen, tritt für Toleranz ein und will die Freiheit jedes Einzelnen schützen, indem er die Befugnisse des Staates einschränkt. Zu diesem Zweck soll die Staatsmacht geteilt werden (in Legislative, Exekutive und Judikative), so wie es Montesquieu vertritt. Der ökonomische Liberalismus, der im 18. Jahrhundert im Zuge der industriellen Revolution vor allem von Smith theoretisch entwickelt wird, geht davon aus, dass der Markt sich wie durch eine „unsichtbare Hand“ selbst reguliert und dass die Politik nicht in das wirtschaftliche Spiel eingreifen, sondern im Gegenteil die Freiheit der Arbeit, den freien Handel, das Privateigentum und den Wettbewerb fördern sollte. Die sozialistischen und marxistischen Kritiken dieser Lehre werden später den Neoliberalismus dazu bewegen, eine begrenzte staatliche Intervention zuzulassen, um eine schädliche Zunahme der sozialen Ungleichheiten zu verhindern. In einer Gegenbewegung hierzu lehnt der ‚Ultraliberalismus‘ jegliche Form staatlicher Intervention ab, die die Eigeninitiative und -verantwortung einschränken würde. Im Allgemeinen geht der Liberalismus von der Existenz einer spontanen, freiwilligen Ordnung und einer Selbstregulierung der Gesellschaften aus, die nicht durch Eingriffe von Seiten der Religion, eines autokratischen Herrschers oder eines Staates in ihren regelmäßigen Abläufen gestört werden sollte.