Phänomenologie

Obwohl dieser Ausdruck wahrscheinlich auf Lambert zurückgeht (um seine Theorie der Erscheinung zu bezeichnen) und sein Gebrauch historisch auf Kant verweist (für den die Phänomene die Welt sind, wie sie uns in Zeit und Raum erscheint, in Gegensatz zu dem, was an-sich und per definitionem unzugänglich ist) und auch auf Hegel (für den die Phänomenologie des Geistes die Abfolge der Stufen bezeichnet, über die hinweg sich der Geist von individuellen Empfindungen hin zur universalen Vernunft entwickelt), kennzeichnet die Phänomenologie heutzutage vor allem das Vermächtnis Husserls. Der beschreibende Ansatz Husserls, von dem ausgehend die Nachwelt die Kontinentalphilosophie aufbauen wird, besteht darin, die Gegenstände der Erfahrung zu analysieren, so wie sie sich dem Bewusstsein darstellen, um ihr Wesen zu bestimmen, also die universellen Strukturen der Objektivität. Diese wird also entdeckt als durch das Subjekt „konstituiert“. Die Schwierigkeiten, auf die Husserl bei der Beschreibung der Beschaffenheit gewisser Objekte stieß, haben neue Felder für die Philosophie eröffnet und die Richtung der Untersuchungen namhafter Phänomenologen bestimmt. So wurden beispielsweise einige Begriffe wie die Zeit (Heidegger), die Freiheit (Sartre), der Andere (Levinas), der Körper (Merleau-Ponty), die Macht (Arendt), der Wille (Ricoeur) und das Zeichen (Derrida) dank der phänomenologischen Methode erweitert und neu aufgefasst. Der Ausdruck „phänomenologisch“ wird auch allgemeiner verwendet, um die Erforschung der letzten Bestandteile jeder möglichen Erfahrung zu bezeichnen. In diesem Sinne muss man seine Verwendung bei Peirce verstehen.