Skeptizismus

Philosophische Denkrichtung, die der Auffassung ist, dass Wahrheit und sicheres Wissen unerreichbar sind und man daher eine kritische Haltung hinsichtlich aller dogmatischen Ansichten einnehmen muss, indem man sie kritisch prüft (skeptikós bedeutet im Griechischen: „jemand, der zweifelt, überprüft“). Begründet vom Griechen Pyrrhon von Elis („Pyrrhonismus" ist deshalb die Bezeichnung für eine Variante des Skeptizismus, entfaltet der Skeptizismus ein ganzes Arsenal von logischen Gegenargumentationen (wie zum Beispiel der infinite Regress oder der Zirkelschluss, petitio principii), um jede Behauptung auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Diese Geisteshaltung darf nicht mit derjenigen der Sophisten verwechselt werden, denn die Forderung nach einer Enthaltung des Urteils (epochè) hat bei den Skeptikern eine moralische Bedeutung: sie lädt dazu ein, eine indifferente Haltung (adiaphora) einzunehmen, um keine Sache zulasten einer anderen zu bevorzugen. Ein echter Skeptiker ist also jemand ohne Meinung (adoxastous), ohne Neigung (aklinesis) und ohne Erregung (akradantous). Ein solcher Skeptizismus findet sich auch im Buddhismus, dort vor allem bei Nāgārjuna. In der Renaissance wird er wiederbelebt von Montaigne, der die Frage: „Was weiß ich?“ zu seinem Leitgedanken macht. Pascal hingegen kritisiert den Pyrrhonismus, weil er in ihm ein Hindernis für den Glauben sieht, obwohl er ihn andererseits für nützlich hält, um die Anmaßungen des Rationalismus herabzusetzen, alles wissen zu wollen. Hume nimmt ihn an, aber in einer gemäßigten Art: sein abgeschwächter Skeptizismus erlaubt es ihm einerseits, logische Irrtümer und Auswüchse der Vorstellungskraft anzuprangern, andererseits aber auch, den Phänomenen des praktischen Lebens nach gesundem Menschenverstand Glaubwürdigkeit zuzubilligen (so wäre es beispielsweise absurd, in einem Brand unbeweglich zu bleiben, weil die Möglichkeit besteht, dass die Flammen gar nicht wirklich existieren). Heutzutage vertritt Williams den Skeptizismus in der Moralphilosophie und behauptet, dass moralische Dilemmata nicht rational lösbar seien.