Ursprung

Vom lat. origo, „Herkunft, Ursprung“. Dieser sehr mehrdeutige Begriff hat zwei Hauptbedeutungen. Er bezeichnet entweder den zeitlichen Beginn (das erste Auftreten, Entspringen, eines Phänomens oder eine „Geburt“ innerhalb einer Kontinuität) oder die logische Ursache einer Sache. In der Philosophie ist der Gebrauch dieses Begriffs vielfältig und betrifft mehrere großen Debatten, wie zum Beispiel in der Erkenntnistheorie die Debatte über den Ursprung der Ideen (was zum Gegensatz zwischen den Vertretern der Vorstellung angeborener Ideen wie Descartes und den Empirikern wie Locke führt); in der Moralphilosophie über den Ursprung des Bösen (ist er metaphysisch oder nur im Menschen angelegt, wie es Augustinus, der Lehrer der Erbsünde, glaubt?) in der Linguistik über den Ursprung der Sprache (entsprang ihre Entwicklung der Notwendigkeit oder der Leidenschaft, wie es Rousseau vertritt?); in der Physik über den Ursprung der Welt (und damit auch um die Frage, ob sie erschaffen  wurde oder nicht, wie es die ersten Atomisten glaubten); in der Biologie wird der Ursprung des Menschen erforscht (und damit die Frage, ob er eine eigene Schöpfung darstellt oder nur ein Produkt der tierischen Evolution ist, wie es die Darwinisten vertreten); in der Ökonomie die Quellen der Ungleichheit. Nach dem Ursprung zu forschen, erfordert oft eine bestimmte Methode, die im Allgemeinen durch Analogien, abgeleitet vom Beobachtbaren, und reine Spekulation erfolgt. Dinge, für die kein Anfang bzw. Ursprung gefunden werden kann, heißen entweder ewig bzw. unsterblich oder aber auch logisch undenkbar. In der Erkenntnistheorie hat das Problem des „infiniten Regress“ (also die Annahme, dass jeder Grund selbst wieder durch einen anderen gestützt sein muss) bei der Rechtfertigung von Überzeugungen verschiedene antiskeptische Strategien hervorgerufen.