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Empathie-Erschöpfung

Svenja Flasspoehler veröffentlicht am 1 min

Wenn das Leid in den Nachrichten zunimmt, vermag das zum Empathy Distress führen. Die Folge: moralischer Burn-out.

 

Man fühlt mit Freunden mit, die etwas Schlimmes erlebt haben, aber auch mit Geflüchteten oder Kriegsopfern, deren Leid in den Nachrichten berichtet wird. Jean-Jacques Rousseau definierte diese Art der Empfindsamkeit entsprechend als „das Vermögen, unsere Gefühle an Wesen zu heften, die uns fremd sind“. Eine aktive Moralität schwingt hier mit, weshalb Rousseau die Empathie auch „tätig“ und „sittlich“ nennt. Doch was, wenn die Sensibilität keine Grenzen kennt und man dazu neigt, buchstäblich mit jedem mitzuleiden?

 

Rousseaus Scheitern

 

Empathy Distress, zu Deutsch: Empathie-Erschöpfung, nennen Forscher dieses Phänomen, das die Aktivität empathischer Zuneigung umkehrt in quälerische Passivität. Das Leid der Welt bedrängt uns. Es „heftet“ sich an. Die Folge: moralischer Burn-out. In Zeiten globaler Vernetzung, die uns jede humane Katastrophe direkt aufs Smartphone spielt, ein ernst zu nehmendes Problem. Zumal die Alternative kaum sein kann, das Leiden der anderen einfach an sich abprallen zu lassen. Rousseau selbst scheiterte übrigens, was die Empathie angeht, an der eigenen Familie: Seine Kinder gab er allesamt ins Waisenhaus. •

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