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Bild: Marcus Glahn

Gespräch

Was heißt hier populistisch?

Julia Reuschenbach, Sahra Wagenknecht, im Interview mit Wolfram Eilenberger veröffentlicht am 12 Februar 2026 15 min

Populistische Positionen verzeichnen zunehmend Aufschwung. Handelt es sich bei Populismus also um eine notwendige Strategie zur Politisierung oder um gefährliche Verkürzungen, die letztlich Gruppen gegeneinander in Position bringen? Darüber diskutierten die Politikwissenschaftlerin Julia Reuschenbach und die Politikerin Sahra Wagenknecht beim Philo-live! Festival.


Wolfram Eilenberger: Frau Reuschenbach, wann würden Sie sagen, ist das, was wir heute mit Populismus bezeichnen, in den politischen Raum getreten? Was waren aus Ihrer Sicht die Hauptauslöser dafür? Auf welche Frage also ist Populismus eine Antwort? 

Julia Reuschenbach: Ganz wichtig ist, dass Populismus nicht vom Himmel fällt. Populismus ist ein schleichender Prozess. Deutschland ist im Grunde ein Spätzünder dieser Entwicklung. Viele andere Länder sind uns teilweise um Jahrzehnte voraus. Ich würde die Zäsur grob in den frühen 2000er-Jahren verorten. Denn die letzten 25 Jahre stellen ein Vierteljahrhundert dar, das geprägt ist von einer Permanenz von Krisen unterschiedlichster Art. Wenn man sich diese Krisen anschaut, von der Finanzkrise über die Eurokrise, dann die sogenannte Migrationskrise, die Coronakrise, jetzt der Krieg in der Ukraine – parallel dazu haben gesellschaftliche Prozesse stattgefunden wie eine starke Globalisierung, Multilateralismus, Digitalisierung und natürlich der Neoliberalismus –, dann kann man sicherlich sagen: Der Populismus ist eine Antwort auf – es ist nicht so therapeutisch gemeint, wie es klingt – Verunsicherungserfahrungen. Befürchtungen, den eigenen Status zu verlieren, verunsichernde Wertewandel und andere Ängste werden vom Populismus bedient. Er versucht, diesen Menschen ein Angebot zu machen. Und dieses Angebot ist mehr als ein Stilmittel. Populismus ist nicht bloß reine Rhetorik, sondern es ist im Grunde ein bestimmter Blick auf die Welt: Nämlich zu sagen, auf das, was du Wähler/Wählerin gerade fühlst, befürchtest, denkst, gibt es eine Antwort. Und diese besteht in der Regel im Verweis auf das schädliche Verhalten korrupter, nur an sich selbst denkender, von anderen womöglich noch fremdgesteuerter Eliten, die eigentlich gegen das eigene Volk Politik machen. Und wir, diese populistischen Akteure, wir sind die, die den wahren Willen des Volkes, also euren Willen kennen. Wir sind die einzigen, die ihn auch vertreten können. Wir sind Werkzeug für eure wahre Stimme gegenüber denen da oben. Das ist die Logik, mit der populistische Kräfte die Welt betrachten. 

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