Dossier

Wie viel Zukunft verträgt die Gegenwart?

Svenja Flasspoehler veröffentlicht am 15 min

Das schnelle Leben schürt unsere Sehnsucht nach voller Gegenwärtigkeit. Wie ist dieses Verlangen zu bewerten? Ist die Konjunktur des Achtsamkeitskultes Ausdruck eines tiefen Resonanzbedürfnisses – oder einer kindlichen Regression? Ein Streitgespräch zwischen Hartmut Rosa und Armen Avanessian.

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Weitere Artikel

Artikel
6 min

Augenblick, verweile

Svenja Flasspoehler

Die Zeit anhalten. Den Augenblick genießen. Aufgehen in voller Gegenwärtigkeit. Das Glück im Jetzt, es scheint so leicht – und bildet doch den größten Sehnsuchtspunkt des Menschen. „Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch! Du bist so schön! Dann magst du mich in Fesseln schlagen, dann will ich gern zugrunde gehn!“ So lautet die Wette, die der unglückliche Faust in Goethes gleichnamigem Roman mit dem Teufel Mephisto abschließt. Faust, einsam und gefangen in seiner Strebsamkeit, kann sich nicht fallen lassen in die Zeitlosigkeit der Lust. Und so verspricht der Wissenschaftler dem Teufel seine Seele, wenn es diesem gelingt, ihn aus seinem verbissenen Sein zu befreien, das stets genau weiß, wohin es will, und darüber sein Leben, genauer: die Liebe verpasst.


Gespräch
11 min

Hartmut Rosa: „Ich will den Modus unseres In-der-Welt-Seins ändern”

Svenja Flasspoehler

Hartmut Rosa ist ein Meister in der Analyse moderner Entfremdungsdynamiken. Der Jenaer Soziologe bringt kollektive Gefühle und Sehnsüchte so präzise wie eigenwillig auf den Begriff. Gespräch mit einem Denker, für den sein Schreiben immer auch Selbstergründung ist


Gespräch
13 min

Umberto Eco im Gespräch: "Die Sprache ist eine permanente Revolution"

Martin Legros

Seiner Herkunft nach Philosoph, wurde Umberto Eco als Romanautor und kosmopolitischer Essayist zu einer intellektuellen Legende. Die Leichtigkeit, mit der er alle Themen angeht, zeigt, dass Denken eine lustvolle Tätigkeit ist.

Umberto Eco war eine geheimnisumwitterte Figur. Wie ist aus diesem Kind einer einfachen Familie im Piemont der kosmopolitische Intellektuelle geworden, der er war? Als Enkel eines Druckers und Sohn eines Buchhalters verbrachte Eco den Krieg mit seiner Mutter in den Bergen, wo sich der Salesianerorden Don Bosco seiner annahm und in ihm die Liebe zu der Philosophie des heiligen Thomas von Aquin wachrief. Wie ist aus dem Autor zweier erfolgreicher Mittelalterkrimis und ein paar ironischer Essays über den Zeitgeist ein Gelehrter geworden, der sich wie ein Magier von Peking über São Paulo nach Paris durch die Welt bewegte, um seine intelligente und vergnügte Meinung über den Triumphzug der Simulakren zum Besten zu geben, über den Niedergang des Buches, über Verschwörungstheorien – oder über Charlie Brown als „Moment des universellen Bewusstseins“? Um dieses Geheimnis zu lüften, haben wir uns mit ihm im Louvre getroffen, wo er 2012 auf Initiative des Instituts Transcultura eine Kommission von Künstlern, Architekten und Intellektuellen aus Europa und China versammelt hatte. Das Ziel? Die Einübung einer Art intellektueller Gymnastik, die seiner Meinung nach nötig ist, wenn es gelingen soll, in der großen Konfrontation zwischen den Kulturen, die sich vor unseren Augen abspielt, Orientierung zu finden. Das, was er „geistige Vielsprachigkeit“ nennt oder die Fähigkeit, nicht nur eine einzige Sprache zu sprechen, sondern die feinen und entscheidenden Unterschiede zwischen den Kulturen auszumessen.

Umberto Eco im Gespräch: "Die Sprache ist eine permanente Revolution"

Gespräch
13 min

Schöne neue Welt

Philipp Felsch

Der Neue Realist Markus Gabriel ist der Ansicht, dass das Leben voller überraschender Möglichkeiten steckt – eine Philosophie, die auch der Technologie-Investor Frank Thelen vertritt. Unsere Zukunft stellen sich die beiden dennoch völlig unterschiedlich vor. Zwei innovative Optimisten im Streitgespräch

 


Artikel
3 min

Rasender Stillstand

Armen Avanessian

Die Corona-Krise stellt die Systemfrage. Unsere Reaktion auf sie müssen wir deshalb auch vor zukünftigen Generationen verantworten. Ein Denkanstoß von Armen Avanessian.


Artikel
5 min

Einfach leben - Warum ist das so kompliziert?

Svenja Flasspoehler

Einfach leben, das klingt so leicht. Nach Gelassenheit, geistiger Weite. Nach einer Existenz, die ihre Freiheit in der Beschränkung findet. Nach Balance, Übersicht, Halt. Doch wer versucht, ein solches Dasein auf Dauer zu stellen, scheitert schnell an den Realitäten des Alltags – und auch an sich selbst. Wie verzichten in einer Welt, die permanent Neues anpreist? Wie ausgeglichen sein, wenn Verlangen und Lust – ganz zu schweigen von den Ansprüchen der anderen – die innere Ruhe permanent stören? Die Philosophie zeigt drei Wege zum einfachen Leben auf: Erst die Übung führt uns zur Leichtigkeit. Das Geheimnis einer erfüllten Existenz ist die Leere. Das Wesentliche zu sehen, setzt Selbsterkenntnis voraus. Askese, Minimalismus, Authentizität: Einfachheit beginnt in uns.

 


Gespräch
10 min

„Es ist alles voller Galaxien!“

Wolfram Eilenberger

Star Wars ist der Mythos unserer Zeit. Jeder kennt die Helden und Antagonisten der Saga. Andromedanebel, Higgs-Teilchen, Wurmlöcher ... Das Universum ist nicht nur unvorstellbar groß, es steckt auch immer noch voller unerforschter Rätsel und Geheimnisse. Im Interview erläutert der Astrophysiker Harald Lesch, warum ein Todesstern in unserer Galaxie nicht möglich wäre, die Idee der Force hingegen durchaus mit modernen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen vereinbar ist.

„Es ist alles voller Galaxien!“

Gespräch
5 min

Im Augenblick erwacht das Selbst

Cédric Enjalbert

Alles, was ist, muss vergehen. In der japanischen Kultur wird diese Einsicht zur Grundlage eines Denkens, das absolute Gegenwärtigkeit als höchste Form des Daseins feiert. Wie genau, erklärt der Philosoph Yasuhiko Sugimura.