Wolfgang Engler: „Die DDR war eine Gesellschaft mit weit geöffneten Aufstiegskanälen“
Repressiv, aber durchlässig: So beschreibt der in Dresden geborene promovierte Philosoph Wolfgang Engler die ehemalige DDR. Ein Gespräch über Arbeiter als Gegenmacht und das eigene Leben zwischen Anpassung und Aufbruch.
Herr Engler, Ihr neues Buch trägt den Titel „Brüche. Ein ostdeutsches Leben“. Was sind die Brüche, die Ihr Leben bestimmt haben?
Allen voran der 1989er Aufbruch und dessen Folgen. Auch wenn damit für mich aufgrund meiner damaligen Position an der auch im Westen anerkannten Schauspielschule Ernst Busch keine beruflichen oder sozialen Brüche einhergingen, bedeutete der Umbruch dennoch eine fundamentale Veränderung der Rahmenbedingungen meines Handelns.
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